Hightech-Kufen für Wüstenschlitten aus Thüringen

Für Rodelvergnügen auf der Düne zieht die Wissenschaft einige Register

Ilmenau. Mit seinem neuesten Rodelschlitten reagiert das Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH (KHW) auf die globale Erwärmung und einen Sport- und Freizeittrend in der Ferne. Der in Geschwenda/Thüringen ansässige Weltmarktführer von Kunststoff-Rodeln bringt im kommenden Jahr den ersten Wüstenschlitten speziell für arabische und Überseekunden auf den Markt. Der Prototyp wird derzeit in der Namib-Wüste getestet und hat Ende Januar auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg Weltpremiere.

Was auf Ski in der Wüste möglich ist, geht mit bestimmten Material auch beim Rodeln

Was auf Ski in der Wüste möglich ist, geht mit bestimmten Material auch beim Rodeln

Eine zentrale technische Herausforderung bei der Entwicklung des „WüSchli“ besteht im Einsatzgebiet: Gleitet das Wintersportgerät bei „normaler“ Nutzung auf einer dünnen Wasserschicht zwischen Kufe und Schnee, „schrammt“ es auf der Sanddüne über zwar sehr kleine, aber überaus harte und heterogene Körner aus Quarz. Sandski-Sportler behalfen sich bislang mit häufigem Wachsen oder Polieren, um kurzzeitig ein Rutschen zu ermöglichen. Schlittenkufen bzw. -gleitflächen müssen abriebfest sein und zudem über breite Auflagen- bzw. Kontaktflächen verfügen.

Projektpartner bei der Entwicklung der Innovationen im Rahmen einer BMWi-Förderung durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand waren das Fachgebiet Kunststofftechnik der TU Ilmenau und das Oberhausener Fraunhofer-Institut UMSICHT, letzteres zuständig für die Charakterisierung der tribologischen Eigenschaften wie des Reibungs-, oder des Gleit- und Verschleißverhaltens. Für die gezielte Reibverbesserung wurden Materialmodelle erstellt. Ilmenauer Wissenschaftler, die zuvor Flora und Fauna aus Wüstengebieten nach bionischen Botschaften für dieses Projekt untersucht hatten, entwickelten abrasionsarme Oberflächenstrukturen mit reiboptimierten Eigenschaften. Der für den Schlittenkörper eingesetzte Kunststoff bietet zudem die Möglichkeit Additive zu binden, die das Gleit- und Verschleißverhalten beeinflussen. Hochfeste Kohlenstoff-, Glas- oder Aramidfasern, so eine Erkenntnis, machen die Kufen verschleißfester. Die Kombination der Polymere u. a. mit Teflon und Silikonölen mindern die Reibungskräfte, sodass sich die Gleitgeschwindigkeiten erhöhen.

Schlitten bzw. Rodel bestehen heutzutage größtenteils aus Kunststoff. Sie werden im Spritzgussverfahren gefertigt. Dabei wird Kunststoffgranulat aufgeschmolzen und in eine geschlossene Werkzeugform injiziert. Für Konstruktion sowie Herstellung des Wüstenschlittens wurden und werden neuartige Prozessschritte in die bestehende Produktion integriert. In Abhängigkeit der Absatzzahlen ist z. B. ein Verfahren, bei dem eine Kunststofffolie in das Formwerkzeug eingelegt und mit der flüssigen Kunststoffschmelze hinterspritzt wird, erprobt worden. So entsteht ein integriertes Produkt mit den gewünschten mechanischen Eigenschaften. Denkbar wäre ebenso ein zweikomponentiger Spritzgießprozess, um einen festen Verbund zwischen der Basiskonstruktion und dem hochabriebfesten Material zu schaffen. Die dritte, entworfene Option: ein abnehmbares Kufen-/Gleitsystem mit einem Schnapphaken-Mechanismus, das sich bei fortgeschrittenem Verschleiß schnell austauschen lässt.

Geht der Wüstenschlitten 2015 in die Produktion, wird das mittelständische Unternehmen unabhängiger von Saisonbetrieb und klimatischen Unwägbarkeiten und kann so die ganzjährige Beschäftigung von Personal und Auslastung der Maschinen sicherstellen.

www.khw.de und

www.wuestenschlitten.de (ab Mitte Januar verfügbar)

Abdruck gegen Belegexemplar/Link und Quellenangabe „Umweltdienstleister.de“ honorarfrei.

Text und Bilder im Pressedownload:

https://www.dropbox.com/sh/6vvds6yztmxu9vq/AACQQ5fXGAO6MF6yFoDliUkqa?dl=0

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