Innovationspreise für Mittelstands-Nachwuchsforscher überreicht

Sieger auf VIU-Jahrestagung mit Applausometer bestimmt

In Berlin ausgezeichnet: Die Preisträger des VIU-DKB-Nachwuchsforscherpreises Maria Preuss, Christoph Gajda (Mitte) und Dr. Michael Schöbitz (Quelle Christian Kruppa)

In Berlin ausgezeichnet: Die Preisträger des VIU-DKB-Nachwuchsforscherpreises Maria Preuss, Christoph Gajda (Mitte) und Dr. Michael Schöbitz (Quelle Christian Kruppa)

Eine ungewöhliche Votumerfassung für ungewöhliche Leistungen angehender Industrieforscher vor Studienabschluss und Promotion: Am Donnerstag wurden in Berlin zum 3. Mal der bundesweite Nachwuchsforscherpreis vergeben. Teilnehmer eines Kongresses des Innovationsverbandes VIU ermittelten nach Kurzpräsentation per Applausometer die Sieger.

Der mit 2500 Euro dotierte Hauptpreis der Deutschen Kreditbank DKB und des Verbandes innovativer Unternehmen ging nach Halle (S.-Anhalt). Als Maschinenbaustudent hatte Christoph Gajda (26 Jahre) dort an der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt an der Revitalisierung alter Stahlbauwerke geforscht: Allein rund die Hälfte der 8.000 deutschen Eisenbahnbrücken ist älter als 80 Jahre und darf oft nicht geschweißt werden, weil das Material alterungsbedingt plötzlich brechen könnte. Deshalb müssen Brücken und andere Stahlbauten häufig abgerissen und aufwändig neu gebaut werden. Gajda entwickelte ein Verfahren, das dem Material nach jahrzehntelanger Nutzung einen Großteil der ursprünglichen Eigenschaften zurückgibt, die Bruchgefahr drastisch mindert. Damit können Altstähle wieder geschweißt und viele Brücken deutlich länger vor dem Abriss bewahrt werden.

Entwicklerin Maria Preuss assistiert beim Test des von ihr entwickelten Trainingsgerät- Prototypen in der Sana-Klinik in Lübeck – hier bei der Endosonographie an einem Schweinemagen. (Quelle: FZU)

Entwicklerin Maria Preuss assistiert beim Test des von ihr entwickelten Trainingsgerät- Prototypen in der Sana-Klinik in Lübeck – hier bei der Endosonographie an einem Schweinemagen. (Quelle: FZU)

Die Entscheidung fiel knapp aus: Ebenfalls starken, mit Spezialmikrofon präzise gemessenen Applaus und damit den zweiten Platz samt 1500 Euro Preisgeld konnte sich Maria Preuss sichern. Die Biomedizintechnikerin hatte im Rahmen ihres Bachelor-Praktikums ein Endosonografie-Trainingsgerät für Mediziner entwickelt. Es ermöglicht realitätsnah bildgebende Untersuchungen an Organen, indem ein Ultraschallkopf mit Endoskop direkt an die zu untersuchenden innere Oberflächen geführt wird. So können Stents gelegt, Zysten entfernt oder Gewebe entnommen werden. Um die Untersuchung sicher zu beherrschen, sollen junge Chirurgen die Handhabung künftig an tierischen Organen in einem Koffer mit einer Kunststoffmatrix samt integrierten Pseudozysten und Punktionsobjekten als Tumorgewebe-Ersatz üben.

Der dritte Preis (1000 Euro) ging für die Entwicklung einer ultradünnen Beschichtung zur Produktion medizinischer und biologischer Teststreifen an Michael Schöbitz. Der Chemiker (Jahrgang 1983) hatte während seiner Promotion am Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung nach wasserlöslichen Aminocellulosen gesucht. Sie sollten sich kostengünstig und schnell auf Kunststoffmaterialien auftragen lassen, um biologische Komponenten für Nachweisreaktionen aufzunehmen. Schöbitz beschichtete mit einem halben Gramm Wirksubstanz binnen Minuten 20 Quadratmeter Folie und platzierte darauf Enzyme und Eiweiße – ausreichend etwa für 10.000 Testreifen zur Blutzuckerbestimmung.

Kennzeichen: industrienah und anwendungsbezogen

Am Wettbewerb um die innovativste Nachwuchs-Entwicklung hatten sich 15 Studenten und Doktoranden, darunter fünf Frauen, beworben. In Bachelor-, Masterarbeiten und Dissertationen setzten sie sich mit einem breiten Spektrum industrienaher Forschungs- und Entwicklungsthemen auseinander. Der Preis wird seit 2013 alle zwei Jahre vergeben. „Gerade in Zeiten nachlassender Innovationskraft des forschenden Mittelstandes soll er junge Menschen ermutigen, ihre kreativen Potenziale in Forschung und Entwicklung mittelständischer Unternehmen oder externer gemeinnütziger Industrieforschungs-
einrichtungen einzubringen“, erklärt VIU-Chef Dr. Ralf-Uwe Bauer die Intention der Preisvergabe.

Der Verband innovativer Unternehmen setzt sich seit 20 Jahren als Interessenvertreter des Mittelstandes für die Stärkung von Industrieforschungspotenzialen auch in kleinen Unternehmen ein. Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) 3.100 Mitarbeiter, Bilanzsumme über 70 Mrd. Euro, ist seit 2011 Fördermitglied des VIU und beweist ihre Verbundenheit mit dem forschenden Mittelstand auch durch die ideelle und materielle Unterstützung des Nachwuchsforscherpreises. Sie betrachtet industrienahe Forschung als Grundvoraus-
setzung der innovativen Weiterentwicklung von Daseinsvorsorgebranchen wie Landwirtschaft, Umwelttechnik, Wohnungs-, Energie-, Verkehrs- und Gesundheits-
wirtschaft, in denen die Bank engagiert ist.

 
http://www.viunet.de/

Kontakt: Verband Innovativer Unternehmen e.V., GF Dr. Annette Treffkorn, Boxhagener Str. 119, 10245 Berlin, T. 030 440 550 20, EMail: viu@viunet.de

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