Schweizer Bau stagniert


Neuer Bauindex signalisiert Wendepunkt der Schweizer Baukonjunktur


Credit Suisse und Baumeisterverband lancieren den neuen Bauindex Schweiz


bauhelmTrotz Wirtschaftskrise bewegt sich die Schweizer Bautätigkeit noch immer auf hohem Niveau. Diese Phase scheint nun aber ihrem Ende zuzugehen. Nachdem als erste Sparte der Wirtschaftsbau zu Beginn des Jahres einknickte, verhindert nur ein letztes Aufbäumen des Wohnungsbaus einen stärkeren Rückgang im Hochbau. Die starke Dynamik im Tiefbau hielt die Bautätigkeit bisher auf hohem Niveau. Auf die Dauer kann der Tiefbau die Ausfälle im Hochbau jedoch nicht kompensieren, so dass die gesamte Bauwirtschaft vom Abschwung erfasst werden wird. So schwächte sich die Baukonjunktur in der Schweiz im vierten Quartal weiter ab. Diese Resultate liefert der neue Bauindex Schweiz, der heute das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Hervorgegangen aus einer Kooperation der Ökonomen der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV), informiert der Bauindex Schweiz zeitnah über die Konjunktur in der Baubranche und schliesst damit eine Lücke im Bereich der Konjunkturdaten.


Aufgrund seiner Grösse und seiner Binnenorientierung gibt der Bausektor wichtige Impulse für die Schweizer Konjunktur und ist zudem ein dominierender Wirtschaftszweig in zahlreichen Kantonen. Mit rund 290’000 Beschäftigten stellt die Branche 30% aller Beschäftigten im zweiten Sektor und trägt über 5% zur Wertschöpfung des Landes bei. Der neu lancierte Bauindex Schweiz von Credit Suisse und SBV prognostiziert den Umsatz im Schweizer Bauhauptgewerbe für das laufende Quartal und lässt Trends erkennen. Er wird in Zukunft somit als bedeutender Indikator für die aktuelle Baukonjunktur in der Schweiz dienen.


Ein neuer Indikator zur Verbesserung der Transparenz im Bau


Fehlende, unvollständige oder wenig transparente Daten im Schweizer Baumarkt hatten in der Vergangenheit teilweise weitreichende Konsequenzen für den Immobilienmarkt. Weil entsprechende Indikatoren nicht vorhanden waren, wurden Fehlentwicklungen – beispielsweise im Vorfeld der Immobilienkrise der Neunzigerjahre – oft zu spät erkannt, was zu Fehlallokationen von Investitionen führte. Obwohl sich seither die Informationslage verbessert hat, ist es weiterhin schwierig, aus der Vielfalt von Einzelinformationen und den häufig gegenläufigen Trends der Bausparten ein klares Bild über den Konjunkturverlauf im Baugewerbe zu gewinnen. Zudem liefern die bisher verfügbaren Indikatoren oft widersprüchliche Signale.


Diese Defizite sollen mit Hilfe des neuen Index abgebaut werden. Der Bauindex Schweiz stellt interessierten Kreisen die wichtigsten Informationen über den Konjunkturverlauf in der Baubranche und ihren verschiedenen Sparten auf einen Blick zur Verfügung und erhöht dadurch die Transparenz im Bau. Als gleichlaufender bis leicht vorlaufender Indikator liefert der Index nicht nur sehr zeitnahe Zahlen zum Bauhauptgewerbe, sondern gibt auch Hinweise auf bevorstehende Entwicklungen in diesem Sektor.


Dem Bau geht allmählich der Atem aus


Mit dem neuen Bauindex lässt sich der Verlauf der Baukonjunktur über die letzten Jahre nachverfolgen. Das zunächst stetige Wachstum gegen Ende der Neunzigerjahre wurde 2001 nach dem Platzen der Dotcom-Blase von einer negativen Korrekturbewegung abgelöst. Im Verlauf des Jahres 2003 fasste der Bau, beflügelt von der damaligen Tiefzinsphase, wieder Tritt und zählte zu den frühen konjunkturellen Antreibern des letzten Aufschwungs. Dank eines zuwanderungs-

bedingten kräftigen Wohnungsbaus hielt sich dieses Wachstum lange aufrecht, auch als der Wirtschaftsbau nach Ausbruch der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008 vom Abschwung erfasst wurde.



In den vergangenen Quartalen haben sich die Index-Ausschläge markant verstärkt. Dies weil sich die Baukonjunktur aufgrund anhaltender Schwächezeichen im Hochbau in zunehmendem Mass auf den volatilen Tiefbau stützt. Wegen der hohen Auslastung im Tiefbau kann das angeschlagene Tempo allerdings nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden. Sobald aber der Tiefbau an Dynamik einbüsst, wird der Motor der Baubranche ins Stottern geraten, da keine Bausparte mehr ausreichende Triebkraft haben wird.


Der Bauindex im vierten Quartal 2009 zum zweiten Mal in Folge rückläufig


Gemäss Indexverlauf wird sich die Baukonjunktur im vierten Quartal 2009 zum zweiten Mal in Folge abschwächen. Nachdem der Index des nominalen, saisonbereinigten Bauvolumens im zweiten Quartal fast die 130er-Marke (1996 = 100) erreicht hat, führt nun eine Konsolidierung der Bautätigkeit im Tiefbau in Kombination mit der schon seit längerem schwächelnden Hochbautätigkeit zu einem Absinken auf 124 Indexpunkte. Ein letzter Schub im Wohnungsbau hat fürs Erste einen deutlicheren Indexrückgang verhindert. Markant tiefere Volumina bei den Baugesuchen und Baubewilligungen für Wohnbauten dürften den Auftragseingang im Bauhauptgewerbe jedoch bald noch stärker in Mitleidenschaft ziehen und den Hochbauindex, eine der zentralen Komponenten des Bauindex, endgültig auf Talfahrt schicken.



Informationen zum Bauindex


Der Bauindex Schweiz wird gemeinsam von der Credit Suisse und dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) quartalsweise veröffentlicht. Der Indikator basiert unter anderem auf der periodischen Erhebung des SBV bei seinen Mitgliedern. Detaillierte und regionalisierte Kennzahlen sowie umfangreiche Analysen des dritten Quartals 2009 bietet die SBV-Quartalsstatistik, die am 2. Dezember 2009 publiziert wird.


Der Bauindex Schweiz kann bei der Credit Suisse abonniert werden: bauindex.economicresearch@credit-suisse.com


Detailergebnisse der SBV-Quartalserhebung, die dem Bauindex nach Erscheinen jeweils innert Wochenfrist folgen, sind beim SBV erhältlich. Weitere Zahlen und Fakten zum Bauhauptgewerbe finden Sie unter www.baumeister.ch/zahlen-und-fakten. (Credit Suisse AG/rk)