Bio-Kunststoff aus Protein

Isabell Stolte (Leiterin Forschung und Entwicklung) und Dr. Patrick Frohberg (Geschäftsführer)/Quelle: PolyNature GmbH

Der PolyNature GmbH aus Halle ist es gelungen, Kunststoff zu produzieren, der sowohl vollständig bio-basiert als auch biologisch abbaubar ist. Das neuartige Verfahren verwendet als Basismaterial Proteine, beispielsweise aus Erbsen, statt Erdöl und ist vielseitig anwendbar. Die ursprünglich an der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg entstandene Idee ist mittlerweile als Unternehmen am Markt gestartet. Die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ zeichnete das Projekt „Protein2Plastix“ im Juli als „Ausgewählten Ort 2011“ im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ aus.

 

Gefeiert hat die PolyNature GmbH ihre Auszeichnung als „Ausgewählter Ort“ nicht etwa in einem Festsaal, sondern dort, wo alles anfing: Im Zentrum für Ingenieurswissenschaften der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg. Dr. Patrick Frohberg, der heutige Geschäftsführer, begann dort im Jahr 2006, sich intensiver mit Kunststoffen auseinanderzusetzen. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat er sich mit der biologischen Abbaubarkeit von Polymeren beschäftigt und interessante Dinge zu Tage gefördert. Nach gut drei Jahren hatte der Wirtschaftsingenieur seine Doktorarbeit mit „summa cum laude“ bestanden und entscheidende Erkenntnisse auf dem bis dahin noch spärlich erforschten Fachgebiet gewonnen. Die zentrale Einsicht: Besonders gut für die ökologische Plastikherstellung eignen sich Eiweiße, wie sie beispielsweise bei der Stärkeherstellung aus Erbsen als Nebenprodukt anfallen. Einfach ausgedrückt: Frohberg verwandelt Proteine in Plastik, welches sich später wiederum in Luft auflöst.
Mit diesem Fachwissen ausgerüstet, nahm das damals an der Uni angesiedelte Forschungsprojekt Fahrt auf. 2009 holte Frohberg die Bioingenieurin Isabell Stolte mit ins Boot. Aus dem Uni-Projekt machten die Beiden mithilfe eines Existenzgründerstipendiums das Unternehmen „Protein2Plastix“. In enger Zusammenarbeit mit der MLU Halle-Wittenberg optimierten Frohberg und Stolte die Verfahren in ihren Laboren stetig. Die Forschung und Entwicklung verlief so erfolgreich, dass „Protein2Plastix“ seit Februar 2011 als PolyNature GmbH firmiert.
Die Erfolgsgeschichte der Universitäts-Ausgründung würdigte Matthias Kampa, der Laudator von der Deutschen Bank in Halle: „Die PolyNature GmbH ist ein herausragendes Beispiel für die Innovationskraft hierzulande: Aus einer wissenschaftlichen Idee wurde ein Produktionsverfahren entwickelt, das nun unter dem Dach eines neu gegründeten Unternehmens in Serie geht. Und das alles verbindet auch noch Ökologie mit Ökonomie. Das ist gelebtes Unternehmertum.“

Sein erstes Produkt brachte PolyNature vor kurzem zur Marktreife. Das Hallenser Unternehmen hat ein Proteinsaatband entwickelt, mit dem das Papiersaatband aus den deutschen Gärten verdrängt werden soll. Das eiweiß-basierte Saatband aus Sachsen-Anhalt enthält zusätzlich zum Saatgut Düngemittel, das es nach und nach an den Boden abgibt. Zum zuvor im Labor festgelegten Zeitpunkt löst sich das Band komplett auf. „Proteine sind ein sehr vielseitiges Material für die Herstellung von Biowerkstoffen. Der biologische Zerfall der Folien ist kontrollierbar und die Freisetzung von Düngemittel kann zeitlich gesteuert werden“, so Dr. Patrick Frohberg. Weitere Produkte im Bereich Landwirtschaft und Angelsport sind bereits im Angebot beziehungsweise in Planung.

http://www.polynature.de

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