Maschinenbauer reagieren auf Tendenz zu PET-Recycling

Die drinktec 2013 zeigt, was sich im PET-Markt und bei den Biokunststoffen tut

 

Bild:S+S Separation and Sorting Technology GmbH

PET-Flasche öffnen, Sand einfüllen, Deckel schließen. Dann aufschichten und mit Lehm und Zement verbinden: klingt nach Sandkastenspiel, ist aber Recycling der anderen Art. So entstehen in einem ambitionierten Projekt in Nigeria Häuser. Ein außergewöhnliches Recyclingbeispiel. Darüber, was die Getränke- und Zulieferindustrie im großen Stil an neuen Technologien beim Recycling und im Bereich alternativer Bio-Kunststoffe zu bieten hat, kann sich das Fachpublikum vom 16. bis 20. September 2013 in München auf der drinktec mit ihrem PET-Segment PETpoint informieren.

 

Recycling tut Not

Für leere PET-Getränkebehälter gibt es die ausgefallensten Nutzungsmöglichkeiten, ob als Dachziegel oder gleich zum Bau ganzer Wohn- und Gewächshäuser. Designer entwerfen trendige Taschen, Accessoires für den Wohnbereich und Kunstobjekte. Doch der Großteil der Kunststoffe landet in Europa noch immer auf Mülldeponien oder in der Müllverbrennung. „Eine enorme Verschwendung von wertvollen Ressourcen. Das wäre so, als ob wir jedes Jahr zwölf Millionen Tonnen Rohöl auf Mülldeponien kippen”, betonte EU-Umweltkommissar Janez Potočnik auf dem Branchentreff der Kunststoffhersteller „PolyTalk“ im September 2012. Gerade einmal 24 Prozent der PET-Behälter würden im Schnitt in Europa bislang recycelt, “viel zu wenig”, wie Potočnik sagt. “Eine Vorherrschaft der Müllverbrennung im Vergleich zum Recycling können wir mittelfristig nicht akzeptieren.” Ein politisches Statement, das in der Regel das Schwingen der Gesetzgeber-Keule impliziert.

 

PET auf der Überholspur

Für Getränkeverpackungen wurden 2011 laut Euromonitor weltweit 446 Milliarden PET- Behälter eingesetzt. Über 100 Milliarden Einheiten oder 30 Prozent mehr als noch 2006, fast die Hälfte davon für Mineralwasser, mehr als ein Viertel für Softdrinks. Und Euromonitor geht bis 2015 von einem weiteren Anstieg des weltweiten Getränke-Verpackungsmarktes auf 1,31 Billionen Einheiten mit nochmaliger Ausweitung des PET-Anteils auf 42 Prozent, sprich über 500 Milliarden PET- Behälter, aus: PET-Recycling wird zur Pflicht, aus ökologischen und ökonomischen Gründen. Wie das geht, heute und in Zukunft zeigt die drinktec 2013.

 

PET-Recycling zu „Foodgrade“-PET im Kommen

Schon 1977 fiel der Startschuss für das Recycling von PET-Flaschen. Im Jahr 2007 wurden laut dem indischen Marktforschungsunternehmen Bizacumen bereits etwa 3,7 Millionen Tonnen PET-Behälter recycelt, 2015 sollen es mehr als 12 Millionen Tonnen sein. Drei Viertel davon allerdings im asiatisch-pazifischen Raum, wo in der Regel ein Downcycling zu Sekundärmaterialien wie dem bekannten Fleece-Pulli stattfindet. 2011 wurden aber lediglich ca. 455.000 Tonnen PET-Flaschen zu 350.000 Tonnen lebensmittelechtem „Foodgrade“-PET verarbeitet. Die großen Marktbeteiligten der Getränkeindustrie gehen jedoch von einem immer höheren Recyclinganteil in neu produzierten PET-Behältern aus. Dabei werden hohe Messlatten angesetzt. Bis zum Jahr 2020 sollen bis zu 60 Prozent Recyclingquote für PET-Behälter und eine durchschnittliche Nutzung von bis zu 25 Prozent recyceltem Material in Neubehältern erreicht werden.

 

Der Maschinenbau reagiert darauf, wie Dr. Thomas Friedländer von der Krones AG erläutert: „Während bislang ein ganz wesentlicher Teil von gesammelten PET- Kunststoffen ein Downgrade zu Nonfood-Grade-RPET erlebte und speziell in China zu Textilfasern oder sonstigen Gebrauchsgegenständen weiterverarbeitet wurde, geht die Tendenz jetzt zunehmend dahin, das wertvolle Material erneut im Lebensmittelbereich einzusetzen. Deshalb gewinnt das PET-Recycling zur Wiederverwendung als lebensmitteltaugliches „Food-Grade“-Verpackungsmaterial weltweit an Dynamik“. Krones zeigt auf der drinktec 2013 das so genannten Bottle- to-Bottle-Recycling.

 

Großes Potential für Biokunststoffe

Oder liegt die Zukunft doch eher im Einsatz von Biokunststoffen? Das Marktforschungsinstitut Ceresana Research prognostiziert in seiner aktuellen Studie dem globalen Biokunststoffmarkt durchschnittlich knapp 18 Prozent jährliche Wachstumsraten. Im Jahr 2018 soll bereits ein weltweiter Umsatz von mehr als 2,8 Milliarden US-Dollar erzielt werden: Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Polymilchsäure (PLA) und PET aus pflanzlichen Quellen stehen durch ihre bessere Klimabilanz gegenüber Kunststoffen auf Erdölbasis hoch im Kurs. Doch steht die Verwendung von Agrarrohstoffen in Konkurrenz zur Erzeugung von Lebensmitteln – angesichts der bestehenden Unterversorgung von Teilen der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln ein ernsthafter ethischer Konflikt. Mögliche Lösungsansätze liegen in der Verwendung von Abfallstoffen als Rohstoff oder in der Schaffung geschlossener Stoffkreisläufe, in denen Behälter aus Biokunststoffen wieder zu Lebensmittelverpackungen werden. Also Biokunststoff plus Recycling!

 

Flaschen aus Pflanzen

PepsiCo hat vor kurzem eine Flasche komplett aus Pflanzenmaterial vorgestellt. Sie besteht aus Rutenhirse, Pinienrinde, Maisstroh und weiteren Materialien und ist vollständig recyclebar. Die PlantBottle-Flaschen der Coca-Cola Company enthalten derzeit 14 Prozent nachwachsende pflanzliche Rohstoffe und 35 Prozent wieder verwertbaren Kunststoff. Auch hier gehen die Pläne hin zur Entwicklung von Flaschen aus 100 % pflanzlichen Rohstoffen, die sich vollständig recyceln lassen. Für biobasierten Kunststoff könnten zukünftig neben Zucker auch Maishülsen und Produktabfälle wie Orangen- und Kartoffelschalen oder Weizenspreu verwendet werden. „Biologisches“ PET verhält sich im Herstellungs- und Recyclingprozess wie herkömmliches PET und kann mit bestehenden Maschinen produziert werden und in bestehenden Recyclingkreisläufen laufen. Die drinktec 2013 und speziell die PETpoint wird über die neuesten Entwicklungen informieren.

 

PEF statt PET?

Die Herstellung von 100prozentig pflanzenbasierten Flaschen aus Polyethylenfuran (PEF) ermöglicht die von Avantium in den Niederlanden neu entwickelte YXY- Technologie. Vorteilig ist, dass jedes kohlenhydrathaltige Ausgangsmaterial zu deren Erzeugung dienen kann. Eine kommerzielle Produktion ist ab 2015 geplant. Abkommen mit Coca-Cola und Danone gewährleisten die künftige Massenproduktion von PEF-Flaschen. Deren funktionelle Eigenschaften wie geringes Gewicht oder die hervorragenden Barriereneigenschaften machen sie möglicherweise zu einer geeigneten Alternative zur PET-Technologie. Laut einer Studie des Copernic Institutes weist PEF einen um 50 bis 60 Prozent niedrigeren ökologischen Fußabdruck auf als PET auf Ölbasis.

 

Alle Innovationen zum Kunststoffbehälter-Recycling und die neuesten Trends im Bereich Biokunststoffe dürften auf der drinktec 2013 für rege Diskussionen sorgen. Mit der PETpoint, dem europäischen Markplatz der PET-Technologie, hat die Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie schwerpunktmäßig ein eigenes PET-Branchenforum geschaffen.

Weitere Informationen: www.drinktec.com

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