Sturm zu Strom

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Der Ökostrom bekommt Rückenwind. Positive Signale aus der Politik lassen die Hersteller von Windenergieanlagen auf neue Großaufträge hoffen. Besonders vor den Küsten Europas sollen neue Offshore-Projekte umgesetzt werden. Nach einer Zeit der Konsolidierung könnte die Branche einen neuen Wachstumsschub erhalten.

vestas_offshoreBild:© Vestas Central Europe


Vor knapp zwei Wochen wehte Kronprinz Frederick von Dänemark der Nordseewind besonders kräftig um die Ohren. Kein Wunder: An diesem Tag hatte der Thronfolger einen Termin an einem besonderen Ort. Auf einer Plattform weit vor der dänischen Küste eröffnete er gemeinsam mit Premierminister Lars Løkke Rasmussen „Horns Rev II“ – die größte Offshore-Windanlage der Welt.


Zum Glück zeigte sich das Wetter an diesem Tag von seiner angenehmen Seite. Denn dort draußen, rund 30 Kilometer vom Festland entfernt, kann es auch schon einmal deutlich rauer zugehen. Gute Bedingungen also, um mit Hilfe von Windkraft Strom zu erzeugen – und zwar im ganz großen Stil. Gemeinsam mit den bereits bestehenden Windpark „Horns Rev I“ wird mit Hilfe des Nordseesturms genug Strom produziert, um 350.000 dänische Haushalte zu versorgen.


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20 Prozent des dänischen Energiebedarfs wird durch Windkraft gedeckt – soviel wie in keinem anderen Land der Welt. Mit dieser Bilanz kann sich das kleine Königreich durchaus sehen lassen, wenn es im Dezember Gastgeber des Weltklimagipfels sein wird. Die Skandinavier haben die globale Vorreiterrolle in Sachen Windenergie übernommen.


Lange Zeit war Deutschland international die Nummer eins, wenn es um die Stromerzeugung durch Wind ging. Allerdings ist der einstige Spitzenreiter von anderen Staaten abgehängt worden. Das soll sich nach Ansicht der Regierung jedoch bald wieder ändern. „Wir werden den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung bis 2020 auf über 30 Prozent ausbauen“, gab der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig Anfang des Jahres als Marschroute aus. Für die Umsetzung dieses ehrgeizigen Planes wird auch Deutschland verstärkt auf Windenergieanlagen setzen, die weit vor der Küste im Meer verankert sind. Bisher gibt es nur kleine Offshore-Anlagen, große Windparks wie in Dänemark sind bisher noch im Bau oder in der Planungsphase.


Doch es tut sich etwas. Vor gut einem Monat floss der erste Strom vom deutschen Offshore-Testfeld „alpha ventus“ ins Energienetz. Bis Ende des Jahres sollen dort, unweit der ostfriesischen Insel Borkum, insgesamt zwölf Anlagen in Betrieb gesetzt werden. Fast so hoch wie der Kölner Dom ragt jede von ihnen über dem Meeresspiegel in den Nordseewind. Die Erfahrungen, die mit „alpha ventus“ gesammelt werden, sollen dann später beim effizienten Bau weiterer Windparks genutzt werden. Die Politik hat dafür grünes Licht gegeben: Die Mitglieder des Bundeskabinetts stimmten in ihrer letzten Sitzung vor der Wahl für den Bau von 40 neuen Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee.


Das Ja zu mehr Investitionen in Ökostrom freute nicht nur Bundesverkehrminister Wolfgang Tiefensee, der seit langem den Bau von Windanlagen vor den Küsten forderte. Er spekulierte, dass die Bauprojekte 30.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnten, gerade in den strukturschwachen Küstengebieten. Auch die Hersteller von Windkraftanlagen reiben sich nach der Entscheidung der Bundesregierung die Hände: Die Branche bekommt Rückenwind.



Wer als Anleger von diesem möglichen Aufschwung profitieren möchte, hat auf dem Zertifikatemarkt einige Möglichkeiten zur Auswahl. Für diejenigen, die sich nicht auf ein Einzelunternehmen als Basiswert festlegen möchten, gibt es einige Indexzertifikate im Angebot. Windenergie hat ihren Anteil in den meisten Indizes, die zum Thema Alternative Energien aufgelegt wurden.


So hat beispielsweise Société Générale bereits 2005 ein Papier auf den selbst erstellten Index ERIX aufgelegt (WKN: SG1ERX). Im „European Renewable Energy Index“ haben Unternehmen der Windenergiebranche immerhin einen aktuellen Anteil von 38 Prozent. Im „DAXglobal Energy Index“, den neben der Commerzbank (DR4QFB) auch Deutsche Bank (DB6GHS) und Goldman Sachs (GS0HHU) für Zertifikate nutzen, beläuft sich der Anteil nur auf 19 Prozent.


Indizes, die ausschließlich auf Windenergie setzen sind derzeit rar. Die Stuttgarter Börse fasst im „S-BOX Global Wind TR Index“ neun Unternehmen der Branche zusammen. Dabei haben die spanischen Vertreter Gamesa und Iberdrola sowie das dänische Vestas jeweils den Maximalanteil von 20 Prozent. Das passende Indexzertifikat stammt von der Deutschen Bank (DB1WND). Als weiterer reiner Windindex ist der „ABN AMRO Wind TR Index“ konzipiert. Die Royal Bank of Scotland hat hierauf das entsprechende Produkt aufgelegt (AA0WND). Positiv bei beiden Indizes ist, dass Dividendenereignisse bei den enthaltenen Unternehmen ihre entsprechende Berücksichtigung bei der Kursstellung finden.



Und was bietet der deutsche Zertifikatemarkt für Produkte, wenn es um einzelne Windanlagenhersteller geht? Ein überschaubares Angebot, dass sich auf drei Unternehmen fokussiert. Dazu gehört der Hamburger Hersteller REpower Systems. Nachdem die Aktie im Februar wegen zu wenig frei handelbarer Aktien aus dem TecDAX genommen wurde, hat sich auch das Zertifikateangebot auf diesen Basiswert weiter ausgedünnt. Lediglich acht Discounter der Commerzbank sind derzeit noch im Handel, alle laufen noch im Dezember dieses Jahres aus. Besonders interessant erscheint darunter das Papier mit Wertpapierkennnummer CB572B. Es bietet derzeit einen Abschlag von 19,91 Euro auf die REpower-Aktie, was einer annualisierten Seitwärtsrendite von 18,63 Prozent entspricht.


Ebenfalls kurz vor Hamburg, in Norderstedt, ist mit Nordex ein weiteres Unternehmen aus der Windenergiebranche beheimatet, das auch für die Emittenten interessant scheint. Insgesamt 262 Anlagezertifikate die sich auf diese Aktie beziehen sind derzeit im Handel, überwiegend Discount- und Bonusprodukte. Neben der Commerzbank hat auch BNP Paribas ein paar Papiere mit besonders attraktivem Chance-Risiko-Profil im Angebot. Dazu zählt etwa das Capped-Bonus- Zertifikat BN3S19, das eine Seitwärtsrendite von 34 Prozent pro Jahr liefert, bei einem gleichzeitigen Abstand zur Bonusbarriere von ebenfalls 34 Prozent.


Auf den Weltmarktführer der Windenergie, die dänische Aktiengesellschaft Vestas Wind Systems beziehen sich dagegen zurzeit erstaunlich wenige Zertifikate. Nur die Deutsche Bank hat diesen Basiswert im Programm und bietet sechs Discountzertifikate an, die aber ebenfalls im Dezember bereits fällig werden. Die maximal erzielbare Seitwärtsrendite mit einem dieser Papiere (DB4NBQ) liegt bei 14,29 Prozent.


Auf dem deutschen Zertifikatemarkt könnten also durchaus noch ein paar Windenergie-Zertifikate mehr ihren Platz finden. Genau wie auch vor den Küsten und im Binnenland noch so einige Windanlagen mehr errichtet werden müssen, damit die ehrgeizigen Vorgaben der Politik eingehalten werden können. Im Wettlauf um den Titel der ökologischsten Nation scheinen aber wohl erstmal andere Länder Vorsprung zu haben.


Auch das neue dänische Windanlagen-Gebiet „Horns Rev 2“ wird vermutlich nicht für lange Zeit das weltgrößte bleiben. Pünktlich zu den Olympischen Spielen 2012 soll der Offshore-Windpark „London Array“ in Betrieb geht. Er soll der erste Windpark mit einer Leistung im Gigawatt-Bereich sein – genug um 750.000 Haushalte mit der Kraft des Windes zu versorgen.


Quelle: Zertifikate Anleger Britta Voss




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