Rote Laterne für Österreich

 

PwC Transparenz-Analyse bei börsenotierten Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz  / Nachhaltigkeit in Österreich noch nicht im Kern angekommen – zukunftsfähige Wahrnehmung der heimischen Unternehmen bei Investoren und Ratingagenturen fraglich

 

Bewertung der nicht-finanziellen Kommunikation wird wichtiger

 

„Um den Ansprüchen der heutigen Stakeholder als Unternehmen gerecht zu werden, und um von Ratingagenturen und Investoren als zukunftsfähig wahrgenommen zu werden, bedarf es einer transparenten und international anerkannten Berichterstattung – auch im nicht-finanziellen Bereich. Das ist heute umso wichtiger, als es an sich keine große Herausforderung mehr darstellt. Denn die für die Prüfung von Finanzdaten entwickelten Methoden und Erfahrungen lassen sich problemlos auf das nicht-finanzielle Reporting übertragen“, erklärt Mag. Karin Gastinger MAS, Leiterin des Bereichs Sustainable Business Solutions bei PwC Österreich. Im Zuge einer Transparenz-Analyse hat PwC Österreich vor kurzem Unternehmen des deutschsprachigen Raums bewertet. Analysiert wurden 89 börsennotierte Unternehmen aus Österreich (39 aus dem ATX- und Prime-Market), Deutschland (Dax-30) und der Schweiz (SMI-20). Im Fokus standen Vollständigkeit, Transparenz und Aussagekraft des nicht-finanziellen Reportings. Bewertet wurden dabei 18 Indikatoren, die auf international anerkannten Richtlinien und Bewertungskriterien von Rating-Agenturen basieren. Die Ergebnisse zu den drei Oberbereichen Governance & Ökonomie, Soziales & Gesellschaft und Umwelt & Klimaschutz ergeben aggregiert einen Prozentsatz zwischen 0% und 100%, den „Reifegrad“ der nicht finanziellen Berichterstattung.

 

Ländervergleich: Deutsche Unternehmen haben die Nase vorne, kein Cordoba in Sicht

 

Deutsche Unternehmen liegen bei der Transparenz der nicht-finanziellen Berichterstattung klar voran. Die im Dax notierten Unternehmen kommunizieren mit einer durchschnittlichen Transparenzbewertung von 77% klar, transparent und umfassend. Es folgt die Schweiz mit immerhin 66%; heimische börsennotierte Unternehmen liegen mit 43% abgeschlagen am Ende der Bewertungsskala. „Hier fragt man sich schon, wie die Emittenten des größten österreichischen Aktienindex ATX die Informationsbedürfnisse ihrer Share- und Stakeholder zufriedenstellend abdecken wollen“, erklärt Mag. Karin Gastinger MAS. Das zeigt sich auch in der Verbreitung von nicht-finanziellen Reportings: Während bereits 87% der DAX-Unternehmen auf Nachhaltigkeitsberichte als Sprachrohr setzen und 65% der Schweizer Betriebe bereits in dieser Form mit ihren Stakeholdern kommunizieren, sind es in Österreich nur sehr zurückhaltende 28% – also weniger als ein Drittel der im ATX- und Prime-Market notierten Unternehmen.

 

Österreichische Unternehmen sind in sämtlichen Bereichen unter dem Durchschnitt

 

Das Ergebnis der PwC Transparenz-Analyse stellt heimischen Unternehmen auch im Detail keine besonders guten Noten aus: Betrachtet man die Aspekte Governance & Ökonomie, Soziales & Gesellschaft und Umwelt & Klimaschutz, so liegt Österreich in allen Bereichen rund 15% unter dem Durchschnitt. Ob bei ökonomischen Inhalten, wo heimische Betriebe auf 43% kommen (deutsche Unternehmen erreichen 77%), oder im Bereich Soziales (44% in Österreich, 76% in Deutschland). In der oft gerühmten betrieblichen Ökologie sieht es nicht besser aus: Während ATX- und Prime- Unternehmen hier auf 40% kommen, erzielen deutsche Betriebe mit 76% beinahe den doppelten Wert.

 

Wo die Transparenz zu Hause ist: Energie, Chemie und Bauwesen führen den Branchenvergleich an

 

Im Branchenvergleich zeigt sich: Unternehmen, die nahe am Endkunden operieren und schon früher als andere Sektoren wachsenden Informationsanforderungen genügen mussten, erreichen deutlich bessere Werte. So spiegelt sich die Liberalisierung des Energiemarkts und das vermehrte Bedürfnis nach sauberer Energie bei den Energieversorgern wider: Mit 85,6% belegt der Energiesektor im Gesamtranking aller börsennotierten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den besten Platz. Die österreichische Energiebranche kann gut mit der Deutschen mithalten und bewegt sich im Ländervergleich auf einem ähnlichen Niveau. Auch Bau- und Chemieunternehmen müssen sich traditionell ihren Stakeholdern regelmäßiger stellen und kommen daher dem Bedürfnis nach umfassender Information besser nach. Weitere Branchenergebnisse aufgelistet:

Banken: Nicht zuletzt in Folge der Finanzkrise mahnen die Stakeholder zu ethischerem Verhalten und mehr Transparenz in der Finanzwirtschaft. Für Deutschland und die Schweiz schlägt sich diese Forderung auch in den Ergebnissen der PwC-Analyse nieder (Deutsche Banken erreichen durchschnittlich eine Gesamtbewertung von 83%, Schweizer Banken im Durchschnitt 70%). Die österreichischen Banken des ATX-Index schneiden hingegen mit einem Wert von 51% deutlich schlechter ab.

 

Verarbeitende Industrie: Obwohl an sich mit Themen wie Klimaschutz,Umweltmanagement, Energieeffizienz, Produktverantwortung, Arbeitssicherheit besonders gefordert, liegt die verarbeitende Industrie im Gesamtranking mit 56% an fünftletzter Stelle. Vier von zehn deutschen Industrieunternehmen belegen einen Platz unter den TOP15. In Österreich schafft dies eines von 15. Zwei Drittel der österreichischen Unternehmen der verarbeitenden Industrie befinden sich auf einem der letzten 30 Ränge.

 

Immobilienbranche: Immobilienverwalter und Projektentwickler im Gebäudebereich kommunizieren wenig über ihre nachhaltigen Fortschritte, obwohl die Handlungsfelder vielfältig wären: Energieeffizienz in Gebäuden, Klimaschutz, umweltfreundliche Baumaterialien und soziale Integration werden zukünftig eine immer bedeutendere Rolle in der Branche spielen. Im österreichischen Prime-Index ATX sind sechs Unternehmen dieser Branche vertreten. Selbst das Beste dieser Unternehmen kommt über einen Gesamtscore von 27% nicht hinaus.

 

Integrierte Nachhaltigkeit ist in Österreich noch nicht feststellbar

 

Zwar geben 80% der österreichischen Unternehmen an, dass Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsmodell eine Rolle spielt. Doch nur knapp ein Viertel dieser Unternehmen publizieren auch tatsächlich Informationen über das integrierte Management von Nachhaltigkeit. In Österreich scheint dieser hohe Level an unternehmerischer Verantwortung noch nicht so weit umgesetzt wie bei deutschen Unternehmen, wo knapp die Hälfte aller DAX-Vertreter über das operative und strategische Management von Nachhaltigkeit berichtet. Besonders wichtig bei der Nachhaltigkeit – der Dialog mit den Anspruchsgruppen: 57% der deutschen Unternehmen berichten ausführlich über ihre Stakeholderdialoge. In Österreich machen dies nur 13% – der Großteil der Unternehmen, 62%, berichten entweder nur in Grundzügen oder gar nicht über die systematische Einbindung der Anspruchsgruppen.

 

Börsennotierte Unternehmen sind im hohen Maße innovationsgetrieben. Entsprechend viel wird darüber berichtet: In Deutschland gibt es lediglich 3%, die nur in geringem Ausmaß über innovative Produkte kommunizieren, in der Schweiz 5% und in Österreich 8%. Umgekehrt berichten etwa 23% der ATX-Unternehmen vollständig und transparent über nachhaltige Innovationen. Auffallend: Diese Unternehmen kommen primär aus der verarbeitenden Industrie und dem Energiesektor.

 

Bei der Mitarbeiterentwicklung sind 97% der deutschen Unternehmen transparent und kommunikativ, Schweizer Betriebe liegen bei 95% (wobei nur 20% sehr transparent sind) und österreichische Unternehmen liegen bei 62% (davon 21% sehr transparent).

 

Integriertes Reporting ist die Zukunft

 

„Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung wird immer mehr als selbstverständliche und integrale Komponente des unternehmerischen Handelns begriffen. Das spiegelt sich auch in der Berichterstattung wider – ist momentan noch der Nachhaltigkeitsbericht das Maß aller Dinge, so wird dieser seinen Exklusivstatus als Kommunikationsmittel zugunsten des integrierten Geschäftsberichts verlieren. Schon jetzt erkennen einige vorausblickende Unternehmen diese Entwicklung hin zum integrierten Management und veröffentlichen nicht-finanzielle Informationen im Rahmen der jährlich wiederkehrenden Geschäftsberichterstattung“, erklärt Mag. Karin Gastinger MAS. „Megatrends wie die Globale Erwärmung, der demografische Wandel, Ressourcenknappheit, höhere Transparenzanforderungen seitens der Stakeholder oder die Digitalisierung des Alltags stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Die PwC-Experten beschäftigen sich intensiv mit der strategische Integration von Nachhaltigkeit in das Kerngeschäft und können Unternehmen dabei helfen, Zukunftschancen zu nützen und Risiken zu minimieren.“

 

PwC Austria

 

 

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