Aufbau intelligenter Netze unabdingbar

E-Energy Kongress: Ohne einen smarten Aufbau intelligenter Netze scheitert die Energiewende an Komplexität

 

 

Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie| Quelle: acatech/Steffen Weigelt

Der rasche Aufbau intelligenter Stromnetze ist die unabdingbare Voraussetzung für ein Gelingen der Energiewende. acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften zeigte am 2. und 3. Februar beim E-Energy Kongress unter der Schirmherrschaft von Philipp Rösler, was dafür in den nächsten Jahren zu tun ist. In einem Positionspapier und einer detaillierten Studie analysiert die Akademie anhand von drei Szenarien, wie eine ebenso nachhaltige wie wirtschaftliche Energieversorgung vorbereitet werden muss. acatech warnt aber ebenso vor einer möglichen Komplexitätsfalle oder dem energiewirtschaftlichen Rückfall ins 20. Jahrhundert.

 

 

Dem Positionspapier zu Folge ist der Aufbau intelligenter Netze unabdingbar, anspruchsvoll aber realistisch. Viele der einzelnen technologischen Bausteine liegen demnach bereits vor und werden sich – hinreichende FuE-Anstrengungen und Marktpotenzial vorausgesetzt – den zukünftigen Anforderungen des Smart Grids anpassen lassen. Ungelöst ist aber noch die Frage, wie sie als komplexes technologisches System in einem noch zu definierenden Markt in Deutschland zusammenspielen. „Ohne intelligente Energienetze steuern wir in eine Komplexitätsfalle. Denn ohne ein sinnvolles, strukturiertes Zusammenspiel von Stromnetzen und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) werden wir die zahlreichen, verteilten und fluktuierenden Energiequellen nicht zu einem stabilen System zusammenbringen“, sagte Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. „Ein unkoordinierter guter Wille gefährdet entweder die von breitem Konsens getragenen Beschlüsse des vergangenen Jahres oder eine sichere und bezahlbare Energieversorgung.“

 

 

Bundesminister Philipp Rösler: „Der zügige Aufbau intelligenter Energienetze ist ein unverzichtbarer Baustein für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. In sechs Modellregionen unseres Leuchtturmprojekts „E-Energy“ entwickeln und erproben wir bereits neue IKT-basierte Verfahren, Infrastrukturen, Anwendungen und Rahmenbedingungen für das Smart Grid. Komplementär dazu beschreibt die von uns geförderte acatech Studie „Future Energy Grid“ die technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgsfaktoren für den Aufbau intelligenter Netze in langfristiger Perspektive bis 2030. Entscheidend wird sein, wie wir den Umbau zu intelligenten Energiesystemen mit allen Beteiligten orchestrieren. Der E-Energy Kongress gibt hierfür wertvolle Impulse.“

 

 

Besonderen Wert legt die Projektgruppe der Akademie auf Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger – vom Dialog bis hin zu Partizipationsverfahren. „Die Energiewende ist eines der anspruchsvollsten technologischen Projekte unserer Zeit. Sie wird von einem breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens getragen – eine gute Ausgangslage, um die damit einhergehende Modernisierung unserer Netze gemeinsam auf den Weg zu bringen“, sagte Projektleiter Hans-Jürgen Appelrath, Vorstand des Informatikinstituts OFFIS.

 

 

Die Stromnetze und -märkte in Deutschland sind bisher nicht auf die Energiewende ausgerichtet. Weitgehend nach dem Muster des 20. Jahrhunderts verteilen sie Strom von zentralen Kraftwerken über Hochspannungsleitungen – die Transportnetze – und engmaschige meist passive Verteilnetze zu den Verbrauchern. Wird die Energiewende verwirklicht, dann müssen sie zu adaptiven Stromverteilern ausgebaut werden, die Schwankungen in Echtzeit ausgleichen und besonders den dezentralen Einspeisern, also Wind, Photovoltaik und Biomasse, gerecht werden.

 

 

Die Verteilnetze – 98 Prozent der Stromtrassen, dezentrale Stromerzeuger und Stromverbraucher sind bisher kaum über intelligente Technologien verknüpft. Zudem sind die Märkte für den flächendeckenden Einsatz von IKT in der Netzstruktur und ausgleichende Speichertechnologien noch nicht definiert: Strom aus regenerativen Energien etwa wird völlig unabhängig vom tatsächlichen Bedarf verteilt und vergütet. Auch ist der wirtschaftliche und ökologische Nutzen von Smart-Metering-Technologien noch nicht erwiesen, die den Verbrauch im Privathaushalt regulieren. Für den Aufbau eines Smart Grids ist ihr breiter Einsatz – laut Position von acatech – jedoch auch nicht zwingend notwendig.

 

 

Der gemeinsam von acatech und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgerichtete E-Energy Kongress zeigt die Migrationspfade in ein Internet der Energie auf und damit zur Infrastruktur einer erfolgreichen Energiewende.

 

 

Die acatech Position und Studie zum Download und weitere Informationen rund um den E-Energy Kongress: www.acatech.de/e-energy

 

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