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Wüstendünenrodelschlittentestpilot

Thüringer erprobt in Namibia den weltersten Sandrodel – ebenfalls aus Thüringen

Zella-Mehliser Schnee- und Wüstenprofi Henrik May: Testpilot in der Namib-Wüste für den  weltersten Sandrodelschlitten aus Thüringen

Zella-Mehliser Schnee- und Wüstenprofi Henrik May: Testpilot in der Namib-Wüste für den weltersten Sandrodelschlitten aus Thüringen

Zu schnell, nicht steuerbar und deshalb viel zu gefährlich: Mit dem Rückteil einer Schrankwand ließe sich auf den Dünen der Namib-Wüste zwar irgendwie Schlitten fahren. Deshalb muss ein Wüstenrodel als Freizeitsportgerät, wie ihn ein Thüringer Unternehmenen jetzt als Weltpremiere auf den Markt bringen will, ganz anders konzipiert sein. Fragen dazu an den bekanntesten deutschen Wüstensportler Henrik May, seit 2004 Betreiber einer einzigartigen Sandski-Schule im südlichen Afrika. Fragen von Hans-Werner Oertel:

Vor rund 90 Jahren wurden die ersten Ski in der Wüste benutzt, vor 40 Jahren kam das Sandbord auf, 2015 soll es den ersten Wüstenschlitten geben. Ein Vorgriff auf den Klimawandel?
Gerade in den letzten Jahren werden Freizeit und Touristik immer wieder durch neue Sportarten und -geräte bereichert. Und: Es gibt mehr Länder mit Wüstensand als mit Schnee. Deshalb war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass ein Wintersportler wie ich im Bann der Namibwüste seine Ski dort nicht nur dauerhaft auspackt, sondern diese Gebiete sozusagen als Vordenker und Pionier auch sporttechnisch erschließen will.

Sie kreieren gerade das Wüstenrodeln…
… ja seit zwei, drei Jahren. Im Gegensatz zum Sand-Skisport benötigt man bei der Wüstenschlitten-Variante keine besonderen Fähigkeiten, um so eine Sandsause mit viel Spaß genießen zu können. Wenn es dafür einen speziellen Schlitten gäbe, könnte jeder nach Dünenauswahl und Einweisung losfahren. Bei maximal 30 Grad Hangneigung und 200 bis 300 Meter langen Pisten kann das schon Spaß machen; allerdings weniger in der Mittagssonne mit Temperaturen zwischen 50 und 70 Grad. Die jetzt konzipierten Schlitten ermöglichen es, auch im weniger steilen Gelände Fahrt aufzunehmen.

Obwohl die Dünenabfahrten oft nur 200 bis 300 Meter lang sind: Die Gipfelstürmerei mit entsprechender Sonnenschutz-Bekleidung und Sportausrüstung ist dennoch möglich

Obwohl die Dünenabfahrten oft nur 200 bis 300 Meter lang sind: Die Gipfelstürmerei mit entsprechender Sonnenschutz-Bekleidung und Sportausrüstung ist dennoch möglich

Was auf Ski in der Wüste möglich ist, geht mit bestimmten Material auch beim Rodeln

Was auf Ski in der Wüste möglich ist, geht mit bestimmten Material auch beim Rodeln

 

 

 

 

 

 

 

In Kooperation mit dem in Thüringen ansässigen Weltmarktführer für Kunststoffrodel wurde vor Ort neues Kufenmaterial und Schlittenmodelle getestet?

Von besagtem Schrankwandteil über herkömmliche Plastikrutscher bis hin zu Woks und Rodeln mit Hightech-Kufen. Historisch gesehen kamen für den Wintersport eine Unmenge Impulse aus Thüringen. Jetzt kann ich mit meinem Wissen und den über zehnjährigen Erfahrungen im Wüstensport dazu beitragen, dass es vielleicht bald den Vierjahreszeitenrodel „made in Thuringia“ gibt, der auf Schnee ebenso fährt wie auf Sand, Strand, Wiesenhang oder durch Matsch.

Was unterscheidet den Sandrodel vom klassischen Wintersportgerät?
Physikalisch gesehen, verhalten sich Schnee und Sand ähnlich, aber doch ganz anders. Wie Schnee kann Wüstensand hart wie Beton sein oder fließend wie Pulverschnee. Die größte Hürde beim Sandrodeln sind die Reibungskräfte, die die Fahrt verlangsamen und das Material abscheuern. Deshalb muss der neue Sandrodel über besonders abriebfestes Kufenmaterial verfügen. Das hat unser Firmenpartner KHW in Geschwenda mit wissenschaftlichem Input von der TH Ilmenau und von Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen, entwickelt. Auch konstruktiv muss der Sandschlitten mit Blick auf die Auftriebproblematik und Gewichtsverteilung anders sein.

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Wie wird der Wüstenrodel gesteuert?
Idealerweise liegend und möglichst mit flexiblen Kufen. Steuertechniken und die daraus entstehenden Risiken vor allem gegen die Fahrtrichtung – wie wir sie auf Schnee anwenden – werden bei höhern Geschwindigkeiten im Sand zu gefährlich. Beim Rutschen auf Sand mit ungleichmäßiger Beschleunigung und hoher Bremswirkung können ungeahnte Kräfte freigesetzt werden. Das führt dazu, dass es bei Unkenntniss und Nichtbeachtung empfohlener Benutzerregeln zum Beispiel am Dünenfuß zu schweren Unfällen kommen kann. Deshalb ist beim Sandrodel die Liegeposition, die Lenk- und Bremsbewegungen vereinfacht und vor allem kein hohes Risiko auch bei schneller Fahrt mit sich bringt, zu empfehlen.

Eine letzte Frage zum Potenzial von „Wintersport“ in heißen Wüstengebieten. Sie haben für den von Ihnen geprägten Begriff „Dune Skiing“ wie auch für das Sandrodeln als wohl einziger auf der Welt komplette Konzepte in der Schubladen. Können Sie Eckpunkte nennen?
Bei meinen Projekten und Ideen für zahlreiche Wüstengegenden mit touristischer Randinfrastruktur stehen das Völker verbindende sportliche Freizeitvergnügen samt hoher Sicherheit sowie der Umweltgedanke im Mittelpunkt. Weil ich durch fast 4.000 Dünenaufstiege und hunderte Kilometer Skiwanderungen durch die Wüste etliche Erfahrungen gesammelt habe und zudem eine Tüftlernatur bin, kommen stehts neue Ideen zum Beispiel für wüstentaugliche Sportgeräte dazu. Beispielsweise gibt der Skisporter dem Sandrodeln mit Lenkbarkeit und Oberflächengestaltung der Ski wichtige Anregungen. Umgekehrt führen Erkenntnisse und zur Gewichtsverteilung beim Schlitten wiederum zu Innovationen bei Skiern, die für Abfahrten (Telemarken) und Langstreckenwanderungen auf Sand geeignet sein sollen. Und: Wüstensport erfordert ein neues Kleidungskonzept mit atmungsaktiven, sandabweisenden und vor allem UV-beständigen Stoffen.

Weltmarktführer in Sachen Kunststoff-Rodel: KHW-Geschäftsführer Ralf Groteloh mit seiner Schlittenkollektion, die 2015 mit dem ersten seriellen Sandrodel mit besonders abriebfesten Kufen ergänzt werden soll (Quelle: KHW)

Weltmarktführer in Sachen Kunststoff-Rodel: KHW-Geschäftsführer Ralf Groteloh mit seiner Schlittenkollektion, die 2015 mit dem ersten seriellen Sandrodel mit besonders abriebfesten Kufen ergänzt werden soll (Quelle: KHW)

Zur Person: Henrik May
Der 39-Jährige Betreiber der ersten Skischule auf Sand stammt aus dem Thüringischen Zella-Mehlis. Als ehemaliger Leistungssportler und Nordisch Kombinierer versteht sich May als Vorreiter für neue touristische Angebote. Motto: Ski und Rodel gut – auch in der Wüste! Er sieht die Zukunft des Wüstensports in geführten Wanderungen.

www.ski-namibia.com

KHW GmbH Geschwenda
Das KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk in Geschwenda bei Ilmenau ist mit nahezu 40 Modellen Weltmarktführer bei Rodelschlitten aus Kunststoff. Der welterste Sandrodel, der 2015 auf die arabischen Märkte kommen soll, wurde mit Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. KHW-Markenschlitten sind in 34 Ländern gefragt.

www.khw-geschwenda.de

Text und Bilder im Pressedownload unter:

https://www.dropbox.com/sh/6vvds6yztmxu9vq/AACQQ5fXGAO6MF6yFoDliUkqa?dl=0

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