bautec 2018: Helle Aufregung in Berlin

Impressionen

Unglaublich: Paderborner Aussteller pappt Heizung auf Außenfassade
Baupfusch oder geniale Lösung?

Am Messestand vom Onlinemagazin Umweltdienstleister staunten die Fachbesucher nicht schlecht: Eine an der Fassade angebrachte Wandheizung, die auch kühlen kann.

Die Wände eines Hauses besitzen eine hohe Wärme- bzw. Kältespeicherkapazität. Diese Eigenschaft nutzen wir in unserem System der aussenliegenden Wandheizung, die über drei Erdwäremesonden und Wärmepumpe gespeist wird, versucht der Ideengeber Claus Hermann Ottensmeier vom gleichnamigen Paderborner Ingenieurbüro zu beschwichtigen.
Erste Ergebnisse der Technologie hatte die Redaktion vom Umweltdienstleister bereits auf der Jahresauftaktveranstaltung der deneff 2015 recherchiert. Der Stein kam ins Rollen, als ein Redaktionsmitarbeiter einer Meldung des Gebäudenutzers aufgesessen war, der die „Multifunktionsfassade“ inzwischen in der vierten Heiz- bzw. Kühlsaison störungsfrei und zum „Nulltarif“ nutzt. Man sei sich nicht darüber im Klaren gewesen, dass die Technologie, die auf der Messe mit wachsendem Interesse betrachtet wurde, tatsächlich der Wahrheit entsprach, versicherte Ottensmeier, der sich nun in Schadensbegrenzung übt und bestätigt, dass die Installationsebene der Außenfassade auch als Funktionsfassade die Kabel und die Lüftungstechnik schlucken kann.

Think outside the house – Geniale Lösungen statt Baupfusch
Die Entwicklung der Fassadenlösung wurde notwendig, da der Vorbesitzer des Altbaus das Haus über eine Nachtspeicherheizung beheizte. Die SHK Infrastruktur hätte somit vom Rohr bis zum Heizkörper neu aufgebaut werden müssen. Die Kosten waren dem Investor zu hoch. Auch wenn diese Lösung in den letzten Monaten viel Aufregung bei TGA und SHK Planern auslöste, sehen wir uns nach der bautec bestätigt, freut sich Ottensmeier über den regen Zuspruch. In Verbindung mit einem bidirektionalen Kalt-Wärme Netz ließen sich so auch innovative erneuerbare Nahwärmeversorgungskonzepte über Saisonalspeicher/Eisspeicher realisieren ergänzt Arnold Schmid, innovativSCHMID.

Grafik: Primärenergiebedarf (Quelle: Ottensmeier)

„Anders als bei konventionellen Heiz- oder Kühlsystemen in der Gebäudetechnik setzen wir auf ein einfaches, aber wirkungsvolles Prinzip: In einer Installationsebene, die zwischen Hauswand und Dämmung eingelassen ist, wird eine Wandheizung außen an die Hauswand montiert. Diese arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie gewöhnliche Bodenheizungen“, so Ottensmeier. Jedoch wird bei diesem System das ganze Haus thermisch aktiviert und dadurch eine wesentliche größere Fläche energetisch genutzt. Die außenliegende Wandheizung kann sowohl zum Kühlen als auch zum Erwärmen des Hauses genutzt werden. Nach der Sanierung sank der Endenergiebedarf des Hausbesitzers von 142 kWh/(m²a) auf 22 kWh/(m²a).

Bidirektionales Kalt- Wärmenetz macht unabhängig
Nach dem Pilotprojekt in Fischerbach, hier werden seit 2016 24 Ein- und Zweifamilienhäuser autark über den Saisonalspeicher (Eisspeicher) beheizt und gekühlt, wird mit Gutach im Breisgau ein Folgeprojekt erstellt. Mit Baubeginn im März werden nach Fertigstellung des Quartiers ab 2021 36 Ein- und Zweifamilienhäuser und ein Seniorenwohnheim über ein bidirektionales Kalt- Wärmenetz versorgt.
„Unser bidirektionales Kalt-Wärme-Netz als innovative Wärmeversorgungslösung wird zunehmend auch International bekannt. Ein Delegation aus Taiwan wird sich im April die Systemlösung in Fischerbach ansehen, ergänzt Arnold Schmid, Inhaber des gleichnamigen Ingenieurbüros innovativSchmid.

Besichtigungen können mit Ottensmeier Ingenieure oder innovativSCHMID abgestimmt werden.

Mehr über die Funktionsweise gibt es auch beim Elevator Pitch der deneff am 26.04. 2018, 15.20 – 15.30 Uhr während der Hannovermesse.
Titel „Funktionsfassaden in der Sektorenkopplung“, Ort: Halle 27, Stand K 42

InnoLounge Vorträge

Als weiteren magnetischen Anziehungspunkt einer ganzen Branche zeigten Innovatoren auf der InnoLounge Technologien, die wie vom anderen Planeten waren. Das Vortragsprogramm auf der bautec2018 in Halle 21a Stand 112 zeigte neben der Funktionsfassade auch branchenübergreifende Wechselwirkungen von der Sektorkopplung, bidirektionale kaltgehende Nahwärmenetze (b-kWN), BACnet, BIM bis zur Türautomation auf. Auch der Blockchaintrend als Technologieplattform für Kryptowährungen, wie Bitcoin, Buildcoin und Co. wurden am Freitag, den 23.02. thematisiert. Beleuchtet werden auch Auswirkungen auf die Berufsfelder und Arbeitswelt der Zukunft durch neue Technologien, wie 3D Druck, Blockchain und autarke Energiekonzepte durch Sektorenkopplung. Hochleistungs-Putze zur Dämmung spannten den Bogen von den technischen Grundlagen, der energetischen Projektplanung, über die praktische Umsetzung an Großprojekten (auch im Denkmalschutz) bis hin zur messtechnischen Validierung der erreichten U-Werte durch zwei verschiedene wissenschaftliche Institute.

Als mehrfach ausgezeichneter Kenner der TGA Branche zeichnete Dipl.-Ing. Hans Kranz mit dem Themenkomplex „Kommt das autonome Gebäude – trotz BauUnwesen?“, ernüchternde und wachrüttelnde Ungereimtheiten der Baupolitik auf.
„Bauprojekte, bei denen Kosten und Termine aus dem Ruder laufen häufen sich. Der Vortrag zeigte die Verursacher auf – es sind nicht die Leute vom Bau. Das staatliche BauUnwesen verhindert auch, dass die eigentliche Geheimwaffe für Energieeffizienz kaum zum Tragen kommt: es ist die Gebäudeautomation als Assistenzsystem für Energieoptimierung und Sicherheit. Wer aus Inkompetenz mit ebensolchen Ausschreibungen immer nur an den Billigsten vergibt, kann in der Realität keine Wunder erwarten. Auch BIM hilft bei dem Fehler im Strickmuster des Bauens nicht weiter“, so Kranz.

Ergänzt wurde der Wissenstransfer von André Bergmann, Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) mit dem Vortrag „Vom Leuchtturm zum Standard: Additive Fertigungstechnologien [AM] und Dr.-Ing. Kenji Reichling, Deutscher Ausschuss für Stahlbeton e. V., der mit „WiTraBau – Wissenstransfer im Bauwesen“ ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt im Rahmen der „HighTechMatBau – Neue Werkstoffe für urbane Strukturen“ innovative Materialentwicklungen im Bauwesen vorstellte.

Für die Bautecbesucher und Leser des Onlinemagazins stehen die Vorträge unter http://umweltdienstleister.de/2018/02/06/innolounge-vortragsprogramm-auf-der-bautec/ kostenfrei zum download zur Verfügung.

 

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