Straßenschäden erfassen

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Systematisch erfasst: Wie Datenbanken Schlaglöchern vorbeugen können

 

 

Prof. Ralf Roos, ISE und Dr. Carsten Karcher, ISE (Foto: Christin Bamberg)

Nicht nur im Winter werden Schlaglöcher zur Gefahr für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer. Die Schuld für Straßenschäden schieben die Verantwortlichen gerne den langen Kälteperioden mit Niederschlägen und Frost in die Schuhe. „Aber diese Schäden haben nicht direkt etwas mit dem Winter zu tun“, erklärt Professor Ralf Roos, Leiter des Instituts für Straßen- und Eisenbahnwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Vielmehr liege das Problem in der nicht vorhandenen Instandhaltung der Fahrbahnen – und zwar deutschlandweit. Während die Autobahnen in einem nahezu perfekten Zustand seien, sehe es auf den kommunalen Straßen ganz anders aus, so der Experte weiter. „Die meisten Fahrbahnen wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut, seitdem ist nicht mehr viel passiert. Sie haben ihre Altersgrenze bereits überschritten.“ Nach 15 bis 20 Jahren hätten die Kommunen ihre Straßen ausbessern müssen, das sei vernachlässigt worden.

 

Jetzt setzt eintretendes Wasser dem Asphalt zu: „Durch kleine Risse dringt es in die geschädigten Stellen ein und weicht den Untergrund auf“, erklärt Dr. Carsten Karcher, Abteilungsleiter für Straßenbautechnik am Institut. Bei Frost sprenge das Wasser den Asphalt dann regelrecht auf. Die hohe Verkehrsbelastung vor allem durch Lkws verstärke diesen Effekt zusätzlich. Zwar können die beiden Experten nachvollziehen, dass in Zeiten knapper Kassen nicht alle Straßen in einem tadellosen Zustand sein können, doch die Fahrbahnen sehen die beiden als öffentliches Gut mit einem hohen Anlagevermögen. „Die Gemeinden müssen dieses Gut im Wert erhalten und dafür entsprechende Finanzen bereithalten“, so Karcher. Ein Euro pro Quadratmeter und Jahr sei das absolute Minimum.

 

Flüchtig ausgeführte Ausbesserungsmaßnahmen haben dagegen nur einen kurzfristigen Effekt. „Spätestens im folgenden Winter tritt das Problem erneut auf“, so Institutsleiter Roos. Mit vorausschauenden Maßnahmen könne die Qualität des Straßennetzes jedoch stark verbessert werden. Roos rät Kommunen deshalb dazu, die Instandhaltung der Straßen langfristig und präventiv zu planen. So zahle sich beispielsweise eine Straßendatenbank aus, die den Zustand aller Wege erfasst und bewertet, um dann deren Mitteleinsatz zielgerichtet zu planen. „Die Anwendung des Pavement-Management-Systems (PMS) kostet nur einen Bruchteil von dem, was die Sanierung kompletter Straßenzüge kosten würde“, sagt Roos.

 

Dafür müsse man herausgefinden, welche sinnvollen Maßnahmen man wann und an welcher Stelle umsetzen muss, um Straßenschäden zu vermeiden oder zu verringern. Das PMS registriert unter anderem Oberflächenmängel wie Spurrinnen und Risse, allgemeine Unebenheiten und Flickstellen.

 

Bei Auswahl der Straßen, so Roos abschließend, müssten nicht die Fahrbahnen mit den größten Schäden zuerst saniert werden, sondern die mit dem höchsten Nutzen für Autofahrer. „Langfristiges Ziel muss der Erhalt der Bausubstanz der kommunalen Straßen in einem verkehrssicheren und gebrauchsfähigen Zustand sein. Und dies möglichst systematisch und effizient.“

 

http://www.ise.kit.edu/


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