Lichtverschmutzung führt zum Insektensterben im Wasser

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Dauerstress für Flora und Fauna: Die nächtliche Lichtverschmutzung steigt weiter an Bildquelle: www.nasa.gov

Die zunehmende Unart Gärten mit Solarleuchten auch bei Abwesenheit in der Nacht zu beleuchten befördert das Insektensterben. Neue Forschungsergebnisse des Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), zeigen jetzt, dass die Lichtverschmutzung  – also zu viel künstliches Licht zur falschen Zeit am falschen Ort vermutlich ein Grund für das weltweite Insektensterben, auch im Wasser, ist.  Denn viele Fluginsekten sind lichtempfindlich und werden von künstlichen Lichtquellen wie von Staubsaugern angezogen und fehlen dann in ihrem Lebensraum. Dieser Effekt ist mittlerweile gut bekannt. Der Staubsaugereffekt der auch unter Wasser gilt zeigt, dass die derzeitigen Strategien zur Verringerung der Auswirkungen der Lichtverschmutzung nicht weit genug gehen, um aquatische Insektenarten zu schützen.

Die meisten Menschen kennen den Anblick von Insekten, die nachts um eine Straßenlaterne schwirren. Sie werden so Zeugen eines der stärksten ökologischen Effekte von künstlichem Licht bei Nacht: Insekten werden wie von einem Staubsauger aus ihrer Umgebung angezogen und verändern so ihr Verhalten und ihre Funktion für das Ökosystem. So spielen nachtaktive Insekten beispielsweise eine wichtige Rolle als Bestäuber. Erst kürzlich ist die Umsetzung von insektenverträglicher Beleuchtung daher auch im „Insektenschutzgesetz“ verankert worden (Bundesnaturschutzgesetz).

Insekten und Larven zieht es auch unter Wasser zum Licht

Das Team von Dr. Franz Hölker konnte in zahlreichen Studien den Einfluss von künstlichem Licht auf fliegende und am Boden lebende Insekten nachweisen. Nun haben die Forschenden den Effekt auf Insekten und Insektenlarven im Wasser untersucht. Binnengewässer sind besonders von Lichtverschmutzung betroffen, da die Ufer von Flüssen und Seen oft dicht bebaut und nachts hell erleuchtet sind.

Um den Effekt zu untersuchen, mussten die Forschenden aber dorthin gehen, wo es nachts noch richtig dunkel ist. Im Sternenpark Westhavelland bauten sie in Wassergräben Unterwasserfallen für Insekten auf und installierten Beleuchtungen verschiedener Wellenlängen. „In den beleuchteten Gewässerabschnitten fanden wir signifikant mehr Insekten in den Fallen als in den unbeleuchteten. Das zeigt uns, dass der Staubsaugereffekt von künstlichem Licht selbst unter Wasser gilt. Das heißt, betroffene Insekten werden bei der Nahrungs- und Partnersuche beeinträchtigt und können leichter Beute räuberischer Arten werden“, erläutert Franz Hölker das Ergebnis der Freilandstudie. „Allerdings scheinen die meisten Arten der Wasserinsekten eher von langwelligem Licht, als von kurzwelligem angezogen zu werden.“

Land- und Wasserinsekten: Nicht auf der gleichen Wellenlänge

Der Wasserkörper wirkt wie ein optischer Filter, der das Lichtspektrum und die Intensität verändert. Wenn sich beispielsweise organisches Material im Wasser befindet und es dadurch trüber wird, wird mit zunehmender Entfernung von der Lichtquelle vor allem das kurzwellige, blaue Licht abgeschwächt. Dies ist die Wellenlänge, auf die viele Fluginsekten besonders empfindlich reagieren. Die Lichtverhältnisse im Wasser sind also nicht die gleichen wie an Land.

„Für den Schutz von Fluginsekten empfehlen wir, den Blauanteil des Lichts zu reduzieren, dies hilft nach unserer Studie aber nicht den Wasserinsekten. Daher wäre es für die Beleuchtung an Gewässern sicher sinnvoll, sich auf andere Maßnahmen zu konzentrieren – beispielsweise die direkte Beleuchtung von Wasseroberflächen generell zu vermeiden sowie die Beleuchtungsintensität gewässernaher Bereiche zu reduzieren, ebenso die Dauer der Beleuchtung“,  fasst Franz Hölker zusammen.

 


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