Faserbasierte Visionen für den Bau

ADD in Stuttgart vermittelt Dialog mit mittelständischer Bauwirtschaft

Fasern entlang des Lastweges am Beispiel einer Schachtabdeckung aus Carbonarmierung (Kube)

Carbonbeton, textilbasierte Gebäudehüllen und 3D-Akustikmaterialien: Technische Textilien mit Hightech-Charakter ermöglichen in verstärktem Maße Innovationen in den Bereichen Bau und Architektur. Ende November ist Stuttgart Gastgeber für Europas wohl wichtigsten Kongress zu technischen Textilien, in diesem Jahr mit dem Partnerland USA. Die Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference (ADD ITC) will vor allem eines: Mittelständler und Architekten für neue Forschungsergebnisse und High-Tech-Anwendungen interessieren.

“Textilverbünde sind breit gefächerte Werkstoffklassen, die Mittelständler schon morgen in ihre smarten oder ultraleichten Produktinnovationen integrieren können“, sagt Prof. Dr.-Ing. Götz T. Gresser, Vorstand der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) und Gastgeber des Textilkongresses, zu dem auch zahlreiche internationale Experten erwartet werden. Ein Themenschwerpunkt für den Frühphasen-
dialog mit potenziellen Anwendern sind neue Forschungslösungen für Bau und Architektur, zumeist partnerschaftlich mit der Industrie entwickelt.

Alles 3D: Abstands- und Akustiktextilien
Leichtes Design und neue textile Bauten in Form von selbsttragenden Fassaden-
elementen für Neu- wie Altbau und temporäres Bauen verspricht der Mix aus Textil- und Schaumtechnologien. Geschäumte Abstandstextilien, wie sie von der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ in einem ersten 3dTEX-Projekt gefördert wurden, empfehlen sich aus Sicht von Prof. Claudia Lüling von der Frankfurt University of Applied Sciences für komplexe geometrische Geometrien ebenso wie für die Gestaltung ins Auge fallender Gebäude-
oberflächen.

Akustiktextilien aus Österreich: Wohlfühlambiente inklusive (Foto: Getzner Textil AG)

Auf Schallabsorbtion mit Wohlfühl-
ambiente setzt der in Bludenz (Österreich) ansässige Modestoff-Hersteller Getzner Textil AG, der mit schichtweise aufgebauten 3D-Akustiktextilien für Bau und Architektur zugleich ein neues technotextiles Standbein begründet. Die Neu-entwicklung mit strukturierter Oberfläche, die auf zusätzliche Schallabsorber aus Schaumstoff oder Vlies verzichtet, verspricht an Decken und Wänden beispielsweise von Großraumbüros eine hohe akustische Dämmung ohne Nachhall. Projektleiterin Victoria Zinnecker will in Stuttgart erste Anwendungserfahrungen „mit unserem innovativen textilen Schallschutz, ausgelegt auch für höhere Brandschutzklassen“ vorstellen.

Stahlfrei und textilarmiert
Der spätestens seit Verleihung des Deutschen Zukunftspreises durch den Bundespräsidenten 2016 Schlagzeilen trächtige Carbonbeton wird auf der ADD ITC facettenreich thematisiert. Marco Lindner von der TU Chemnitz stellt als Beitrag zum Leichtbau stahlfreie Betonfertigteile mit gekrümmter und linear faserbasierter Stabbewehrung vor. Bisher kommen zur Lastableitung von Erd- und Wasserdrücken herkömmliche Betonteile mit Wandstärken bis 25 mm zu Einsatz. Die jetzt entwickelten, strangezogenen basaltfaserbasierten Profile mir neuartiger Faserarchitektur und Bewehrungskombination aus Bügeln und Stäben erlauben dünnwandige Betonfertigteile wie Rahmenkanäle und Abdeckplatten auch zur Verwendung in elektromagnetisch sensiblen Bereichen wie Verkehrsregelanlagen mit Induktionsschleifen: neue Perspektiven ggf. auch für den Gleisbau, bei der bisher jede einzelne Schwelle geerdet werden muss…

Muster faserbasierter Bewehrungsbügel (TU Chemnitz)

Gemeinsam mit den DITF-Textilforschern hat das Plochigner Ingenieurbüro Kube GmbH einen Weg gefunden, sehr kostengünstig Armierungen aus Kohle-, alternativ Glas- bzw. Aramidfasern herzustellen. In einem Spritzgussprozess werden diese mit einer thermoplast-
ischen Kunststoffmatrix ummantelt. Durch die Armierung erhalten Bauteile einen enormen Zuwachs an Steifigkeit und Festigkeit. Anwendung findet das Verfahren bereits in den Bereichen Automotive und Maschinenbau. Denkbar ist auch der Einsatz am Bau, wo solche Carbon-Skelette konventionelle Stahl-Armierungen in Beton ersetzen und somit deutlich leichtere Konstruktionen ermöglichen. Neben einem besonders kostengünstigen Fertigungsprozess waren auch intelligente Methoden zur Auslegung von Bauteile im Fokus der Entwicklung. Das Team um Kube entwickelte dazu computergestützte Methoden, die dem Konstrukteur helfen, die Fasern stets genau entlang der Lastwege bzw. des Kraftflusses zu orientieren. „Wir können die Fasermenge somit auf das gerade notwendige Minimum reduzieren. Das spart Kosten und Gewicht“, sagt Projektmitarbeiter Ronald Müller.

Was: Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference
Wann: 30. November – 1. Dezember
Wo: Stuttgart, Kongresscentrum Liederhalle
Programm: http://bit.ly/2wkZmTu
Kontakt: Frau Keller, DITF Denkendorf, T. +49 (0) 711 9340 505, sabine.keller@ditf.de

Abdruck gegen Belegexemplar/Link und Quellenangabe „Umweltdienstleister.de“ honorarfrei.

Zum Pressedownload: https://www.dropbox.com/s/m5jxhhanpw8m7at/add_stuttgart2017.zip?dl=0

1 comment for “Faserbasierte Visionen für den Bau

  1. 12. September 2017 at 8:58

    Interessanter Artikel. Danke für die Zusammenfassung.

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