Alle 17 SDG´s im Blick: Weltneuheit auf den Meeren

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„Nachhaltig denken, heißt zu Ende denken“: Nachhaltigkeitsexperte Marcus Hirsch setzt auf Paradigmenwechsel bei Kreuzfahrten. Im Gespräch auf der weltweit führenden Tourismusmesse ITB 2023.

Marcus Hirsch im Gespräch mit dem Onlinemagazin Umweltdienstleister auf der ITB der weltweit führenden Tourismusmesse.

Nach acht Jahren Konzeptarbeit von einem ehrenamtlichen und Motivationsgetriebenen Expertenteam wird jetzt die Idee von 3Ship.cruises Schritt für Schritt real: Nachhaltiges und CO2-freies Reisen über die Weltmeere. 2024 wird die erste von 32 Flottillen (jeweils drei Katamarane) mit Nachhaltigkeits- botschaften zu ihrer ersten Erdumrundung aufbrechen. Welches Ziel verfolgt Ideengeber Marcus Hirsch mit dem zukunftsweisenden Mega-Projekt unter dem Motto „Es geht doch!“?




Die 77- 80-Fuß Segelkatamarane werden von Werften in Frankreich (La Rochelle und Bordeaux) und in Danzig/Polen gebaut. Bild: (Sunreef)
Reisefachmann und passionierter Segler mit Anfängen auf dem Bodensee: Marcus Hirsch leitet den Paradigmenwechsel in der Kreuzfahrtindustrie ein. (Bild: M. Hirsch)

Red.: Was gab den Ausschlag, die Kreuzfahrt neu zu erfinden?
M.H. Die 17 Sustainable Goals der UN, die uns bis 2030 zu grundlegenden Veränderungen mahnen, haben mich motiviert, diese für jene Bereiche umzusetzen, in denen ich mich auskenne: Touristik und das Meer (segeln, tauchen, kiten). Die Kreuzfahrt gilt zu Recht mit Blick auf die Nachhaltigkeit als das schwärzeste Schaf in der Touristik. Das war der Grund, genau diese so tolle Reiseform zu modifizieren und neu zu denken, dass sie eben als Vorbild und Leuchtturm-Projekt in den Bereichen Meeresschutz, Erfolgspartizipation aller Stakeholder, Equal Paying aller Mitarbeiter:innen und stetiges Verbessern der Reise insgesamt steht. Zusammengefasst: Es geht doch!

Red.: Was genau stört Sie an der Kreuzfahrtindustrie von heute?
M.H. Das Wort Industrie beschreibt es schon: seelenlos, Massentourismus, schädliche Umweltfolgen vor allem für die bereisten Destinationen.

Red.: Die drei, vier gröbsten Verstöße gegen Umwelt sind?
M.H. Das größte Problem ist die hohe Zahl von Reisenden an einer Stelle (Schiff, Hafen, Inseln). Daraus ergeben sich nicht nur für Venedig oder bezaubernde Südseeinseln Kapazitätsprobleme, sondern auch handfeste Umweltsünden. Um nur einige zu nennen: Fäkalien in dieser Menge müssen verklappt werden. Jeder dieser Ozeanriesen hat einen täglichen Materialbedarf von bis zu vier Containern; sie werden mit Schweröl betriebenen Containerschiffen angeliefert. Ganz wichtig, weil auch an Bedeutung zunehmend: In den bereisten Gebieten bleibt keine nennenswerte Wertschöpfung. Und: Die Gäste können sich kaum intensiv mit den bereisten Kulturen und Menschen einlassen und beschäftigen.

Red.: 3Ship.cruises dagegen verfolgt welche Grundidee?
M.H. Nachhaltig denken, heißt zu Ende denken und alles auf kleine Maßstäbe herunter- zubrechen. Unser Motto ist: Nachhaltig, sicher und nicht ohne Luxus. Pro Flottille fahren wir deshalb nur mit maximal 30 Gästen. Drei Yachten, die zugleich Tauchbasen sind, fahren immer gemeinsam. Daraus ergeben sich Synergieeffekte, da wir pro Flottille nur eine Techniker_in, einen Profi am Herd, eine Tauchlehrer_in und einen Kite Coach benötigen. Wir kommen in jeder unser 17 Hauptdestinationen 20 Grad nördlich und südlich des Äquators als Freunde und Reisende, nicht als konsumierende Urlauber. Unsere Wassersport- angebote mit entsprechend inkludierten Coaches sind sämtlich nachhaltig. Alle Mitarbeiter_innen sind auf Augenhöhe mit den Reisenden und bestens ausgebildet und selbstverständlich ordentlich entlohnt (Equal paying: Jeder verdient in jeder Funktion 25 Euro/h). Alle Speisen und Getränke, die von uns angeboten werden, sind regional und saisonal und frisch zubereitet.

Red.: Was erwartet den Reisenden auf den Schiffen?
M.H. Mit neuester und nachhaltiger Technik ausgestattete Katamarane, die von einer hoch qualifizierten Crews auf festen Routen sicher zu den schönsten Revieren dieser Welt gebracht werden. Vor Ort können die Gäste dann in die Kultur eintauchen, ohne geliebte nachhaltige Sportarten oder den Hauch von Luxus vermissen zu müssen.

Red.: Wie erreicht 3Ship.cruises komplette CO2-Neutralität?
M.H. Durch drei Weichenstellungen. Alle CO2-Fußabdrücke (Schiffe, Kleidung, Material- ien) werden durch CO2 bindende Projekte in den bereisten Gebieten ausgeglichen. Dafür sorgt unser Verein MMC e.V., an den die Schiffe verchartert werden, mit den Agenturen vor Ort. Zum anderen investieren wir in diverse Projekte wie die Herstellung von grünem Methanol, um den CO2-Fußabdruck des Energiebedarfs an Bord zu minimieren. Last but no least hat der MMC e.V. (Tettnang) ein Zertifikat für nachhaltige Schiffe und Sportan- lagen entwickelt. Ein Profiteam auditiert hierbei in Zusammenarbeit mit dem Welttauchlehrer- verband PADI nicht nur unsere Kreuzfahrtschiffe, sondern auch weltweit die Tauchbasen.

Red.: Carl von Carlowitz – der Name, unter denen die 96 Schiffe unterwegs sind, wird bald auch auf der Bahia de California, Hawaii, in der Karibik und in Französisch Polynesien bekannt werden…
M.H. … ja, wir waren bei unseren Recherchen auch erstaunt, dass der Erfinder des Nachhaltigkeitsbegriffs aus dem Erzgebirge stammt und dort ab 1711 als Oberberghaupt- mann gewirkt hat. CvC, wie wir ihn inzwischen nennen, forderte, dass nur so viel Holz gefällt werden solle, wie durch Aufforstung nachwachsen könne. Das war zugleich die Grundlage für das mehr denn je notwendige Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen.

Red.: Die Schiffe fahren unter zyprischer Flagge, die Betreiber Firmen sind zyprisch, der Heimathafen auch – warum?
M.H. Zypern ist eine europäische Nation mit Seefahrertradition und bietet für unsere Zusatz-Projekte im Bereich grüner Energie, wenn es darum geht PV und Wind in Wasserstoff und grünes Methanol zu wandeln, ideale Voraussetzungen. Zudem liegt Zypern strategisch bestens in unserer Routenplanung um die Welt. Limassol als Heimathafen ist eine optimale Adresse. Auch unsere Reederei, der Österreichische Lloyd, ist hier zu Hause.

3Ship.cruises/FAKTEN

  • Das Projekt
    3Ship.cruises sieht zwischen 2023 und 2031 den Kauf von 96 Katamaranen vor. Sie kommen nach Fertigstellung der ersten Flottille zu drei Schiffen ab 2024 schrittweise zum Einsatz. Es gibt insgesamt vier Flotten mit je acht Flottillen, die aus drei Schiffen besteht; sie gehen mit vorwiegend deutsch, französisch, italienisch oder spanisch sprechenden Gästen für mindestens eine Buchungswoche auf Kreuzfahrt. Aber auch drei oder noch mehr Wochen sind buchbar. Insgesamt sind rund 1.500 Stellen zu besetzen.
  • Reisen
    Die bis 2050 durchgeplanten und bereits buchbaren Reisen für jeweils zehn Gäste per Schiff führen zu den schönsten Inseln und Buchten. In 17 Hauptreisezielen stehen für mindestens eine Woche Tauchen, Schnorcheln oder Kiten bzw. Surfen wie auch Erkundungsfahrten mit dem Bike im Mittelpunkt der sportlichen Aktivitäten. Das Kennenlernen von Kultur und Menschen auf Augenhöhe gehört zum Programm.
  • Finanzierung
    Jede Flottille mit drei Einheiten wird nach dem Motto „Be part of the project“ über eine eigene „Währung“, sprich NFT (Non Fundible Token/Web3.0-Share) finanziert. Dazu werden 5.000 Token zu 5.000 Euro an vorwiegend private Anleger verkauft. Jeder Token ist am Gewinn „seiner“ Flottille beteiligt; die erste Gewinnausschüttung erfolgt im Frühjahr 2025. Die prognostizierte Rendite liegt mit Inflationsausgleich zwischen 5,6 und 7,6%.
  • Nachhaltigkeit
    Carl von Carlowitz: Der sächsische Forstmann hat von 310 Jahren den Nachhaltig- keitsbegriff geprägt; deshalb segeln alle Yachten unter seinem Namen. Die Schiffe selbst nutzen Wind- und Solarenergie, bestehen aus absolut nachhaltigen Mater- ialien. Gekocht wird regional. Alles an Bord folgt dem Gebot der CO2-Neutralität. Die Crew unterstützt in den Zielhäfen entsprechende lokale Nachhaltigkeitsprojekte.
  • Technik
    Die modernste Umwelt-, Stromerzeugungs- und Speichertechnik sowie IT-Inno- vationen wie Web3.0-Avatare für alles und jedes auf den Schiffen ist Bestandteil des Ausstattungs- und Logistik-Konzepts. Nachhaltige Technik-Neuerungen in der Zukunft werden beim Bau weiterer Schiffe be- rücksichtigt.
  • Management
    3Ship.cruises Ltd. unter Leitung von Marcus Hirsch ist die Holding für vier Flotten zu je acht Flottillen. Eigner der Flottillen sind die MMC.cruises Ltd. I-XXXII. Alle Firmen haben in Zypern, wo auch der Heimathafen ist, ihren Sitz. Verchartert werden die Schiffe an den MMC e.V. Die Reisen können jetzt bereits über jedes Reisebüro gebucht werden und später auch über den Welttauchlehrerverband PADI. Der verantwortliche Reiseveranstalter ist die Ayurveda & Tourism Consulting in Starnberg.

Mehr lesen: https://3ship.cruises

Das Interview führte Uwe Manzke am 09. März 2023 auf der Messe ITB in Berlin. Abdruck gegen Belegexemplar/Link und Quellenangabe „Umweltdienstleister.de“ honorarfrei.

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