Zuverlässig und ressourcenschonend färben mit Robotern

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Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen Brockmann

Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen Brockmann

Coesfeld. In den neuesten Textilfärbereien der Thies GmbH & Co. KG hat der Mensch nur noch den Beobachterstatus. Was in vielen Färbereien zumeist in Schwellenländern noch manuell erfolgt, erledigen in der integrierten Maschinenwelt der Coesfelder Ingenieure seit über zehn Jahren Roboter. Beschicken, Entladen sowie Transport der Spulenträger, Bleichen, Färben, Trocknen; die exakte Dosierung und Zuführung der Farben, Chemikalien und Feststoffe – jedes einzelne Glied der Prozesskette ist automatisiert. Das 123-jährige Traditionsunternehmen mit ca. 700 Mitarbeitern ist Market-Leader bei der Herstellung von Garn-, Stückgutfärbeapparaten sowie Bleich- und Trockenanlagen. Die Exportquote liegt bei über 90 Prozent, das Gros der Maschinen geht nach China, Indien oder Bangladesch. Die Färbeprofis aus dem westlichen Münsterland sind im Herbst auf der Mailänder ITMA u. a. mit dem innovativen iCone, dem ebenso intelligent wie wirtschaftlich arbeitenden Garnfärbeapparat, vertreten. Im Interview beschreibt Geschäftsführer Jürgen Brockmann, wie ein hoher Automatisierungsgrad die Umwelt entlasten kann.

Wie gestaltet sich Funktionsintegration aus Sicht des VDMA-Mitglieds Thies GmbH?
Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannDas Garnfärben ist bekanntlich sehr komplex, um bei der Ware schlussendlich eine erstklassige First-Time-Right-Rate zu erzielen. Dazu braucht es ein gewisses Maß an Automation, was bedeutet: Wir müssen den „menschlichen Faktor“ aus den Betriebsabläufen herausnehmen und die Dinge so automatisieren, dass ein reibungsloser Prozess abläuft. Dabei greifen wir z. B. in die ganze Farbstoffverwiegung und Farbstoffzuführung ein – Prozesse, die in den meisten Färbereien der Welt noch manuell ablaufen. Auch durch unsere Technik nimmt die Zahl der Betriebe zu, bei denen diese Prozessschritte automatisch erfolgen.

Welche Fehlerquellen genau sollen hier durch Automation ausgeschaltet werden?

Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannWo Menschen arbeiten, passieren Fehler: Farbstoffe werden nicht in der vorgeschriebenen Menge zugegeben bzw. haben nicht die notwendige Temperatur. Es kommt vor, dass sie nicht zur gewünschten Zeit am Färbeapparat ankommen. Ebenso ist die Farbstoffzuführung selbst eine mögliche Fehlerquelle, die einwandfreie Färbeergebnisse erschwert. Wir versuchen, das herauszubekommen, indem wir von der Verwiegung bis zur Zuführung alles automatisieren.

Wie läuft das im Detail ab?
Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannDie Farbstoffsilos bekommen vom Steuerungssystem z. B. folgendes Signal: Von den Farben Rot, Gelb, Blau jeweils 30 Gramm abfüllen! Daraufhin werden die Farbstoffe automatisch verwogen, in einen Behälter abgefüllt und zu einer Farbstofflösestation transportiert. Hier erhält der Farbstoff die benötigte Temperatur und läuft dann zur richtigen Zeit in den Färbeapparat. Vor dem Färben durchläuft die Ware ja den Bleichprozess. Hier passiert das Gleiche mit den Chemikalien. Auch zum Bleichen müssen die exakt dosierten Chemikalien mit Hilfe einer Pumpe in der richtigen Zeit mit der richtigen Temperatur in der Anlage ankommen. Ebenso werden Feststoffe wie Salze und Hydrosulfit z. B. für die Küpenfärbung, die eine besondere hohe Farbechtheit erzielt, benötigt. Auch hier ist das Prozedere, das für die Einleitung der optimalen Flottenmixtur in den Färbeapparat sorgt, ähnlich.

In dem neu entwickelten Garnfärbeapparat iCone sind zahlreiche energieeffiziente Funktionen integriert.

Der iCone, der seit 2014 auf dem Markt ist, arbeitet mit seinem günstigen Flottenverhältnis besonders wirtschaftlich. Er braucht also weniger Wasser, um die Farbe bzw. die Chemikalien auf die Faser zu bringen. Durch Neukonstruktion des Leitungssystems wurden erhebliche Einsparungen ermöglicht. Ein Vorteil ist die beidseitige Flottendurchströmung der Spulenkörper, nämlich von innen nach außen und von außen nach innen. Zusätzliche Funktionen wie das neue Spülsystem DynamicRinsing oder DyeControl für die Messung der Badsättigung zur Anpassung der Spülzeiten und -bäder machen die Prozesse ressourcenschonender, transparenter und sicherer. Der Wasserverbrauch ist mitentscheidend für die Kosten einer Färbung. Wer dabei Wasser spart, reduziert auch Chemikalien, Dampf bzw. Kühlwasser. Weniger Wasser bedeutet zugleich auch weniger Abwasser, das anschließend wieder mit Aufwand gereinigt werden müsste. Die Summe der Konstruktionsoptimierungen führt überdies zu einer Verringerung des Platzbedarfes. Bei gleicher Anzahl Färbungen pro Zeiteinheit ist der Ausstoß in der Produktion je Quadratmeter um ca. 23 % höher als bei der Vorgängerversion, die seit 1995 ausgeliefert wurde.

Bei dem neuen Maschinentyp wird nicht nur die eigentliche Veredelung von Robotern übernommen?

Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannStimmt, sondern auch alle vor- und nachgelagerten Prozessschritte. Eine Robotik übernimmt die Spulen mit dem Garn einzeln oder in Gruppen und belädt damit die selbstfahrenden Spulenträger für den Transport zum Färbeapparat bzw. zum Trockner. Das bedeutet auch, dass die Deckel von Färbeapparat und Trockner selbsttätig zum richtigen Zeitpunkt auf- und zugehen müssen. Das Entladen der Spulenträger nach dem Trocknen ist gleichfalls automatisiert. Der Mensch hat hier nur noch eine überwachende Funktion.

Verschafft Ihnen der hohe Automatisierungsgrad Vorteile im Wettbewerb?
Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannAbsolut. Die Automatisierung bewirkt eine deutlich bessere, qualitativ hochwertige Färbung. Nachsätze zur Ergebniskorrektur lassen sich signifikant reduzieren. Nachträgliche Reparaturen sind für die Färbereien sehr aufwendig. Die gehen zu Lasten der ohnehin schon knappen Gewinnmargen.

Macht solche Funktionsintegration für Ihre Abnehmer in Niedriglohn-Ländern überhaupt Sinn?
Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannEs gibt Kunden, die kaufen unser ganzes Programm und andere, die sich für Teile daraus interessieren. Für viele Färbereien in Bangladesch z. B. lohnt sich die robotisierte Spulenbeschickung wegen des dort niedrigen Lohnniveaus nicht. Dennoch lohnt es sich für sie sehr wohl, die Zuführung von Farben, Chemikalien, Feststoffen automatisch ablaufen zu lassen. Weil das die Qualität der Produkte erhöht und sie so für ihre Kunden ein besseres Ergebnis erzielen.

Welche Tendenzen sehen Sie für die Zukunft?
Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannBis vor ca. zehn Jahren waren in der Textilindustrie vor allem die Lohnkosten im Gespräch. Mittlerweile hat das Thema Energie fast überall vor den Lohnkosten Priorität. Dabei geht es um Wasser- und Stromersparnis und insgesamt günstigere Prozesszeiten. Werden die Prozesse und Zyklen reduziert, vermindert sich auch der Energieverbrauch. Daran werden wir und andere Textilmaschinenhersteller in Deutschland weiterhin arbeiten.

Was sagen Sie zu Konkurrenten, die Ihre Produkte zu kopieren versuchen?
Seit elf Jahren stellvertretender Geschäftsführer Verkauf im Traditionsunternehmen: Jürgen BrockmannDie wird es immer geben. Gleichwohl gibt es genügend Abnehmer auf der Welt, die wegen Qualität, Effizienz, Langlebigkeit und Energiebilanz lieber das Thies-Original kaufen. Der beste Schutz gegen Plagiate ist eine stetige Weiterentwicklung.

 

www.thiestextilmaschinen.de

Wirtschaftlich und effizient: der iCone, Garnfärbeapparat der neusten Generation

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„Im Prinzip brauchen Sie dort niemanden mehr.“ In dieser State-of-the-Art-Garnfärberei der Thies GmbH übernehmen die Maschinen das Regiment

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Das Interview führte Fachjournalist Norbert Hüls.

Unternehmensprofil

Die Thies GmbH & Co. KG besteht seit 1892 und ist seit über 120 Jahren auf die Herstellung von hochwertigen Garn- und Stückfärbemaschinen, Bleich- sowie Trockenanlagen spezialisiert. Der westfälische Familienbetrieb mit Hauptsitz in Coesfeld/Deutschland verfügt über modernste Entwicklungs- und Fertigungsmöglichkeiten. Qualitätsprodukte von Thies werden zu mehr als 90 Prozent in die ganze Welt exportiert (z. B.China, Indien, Bangladesch) und in den verschiedensten Märkten für Webwaren, Maschenwaren und technische Textilien erfolgreich eingesetzt. Thies beschäftigt ca. 700 Mitarbeiter und konnte den Umsatz in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern.

Das Unternehmen ist auf der TechTextil im Mai in Frankfurt/Main mit einem „Sprechstand“ vertreten. Auf der Itma 2015 in Mailand wird es die neusten Entwicklungen seiner Produkte zeigen – darunter den innovativen iCone, einen ebenso intelligenten wie wirtschaftlich arbeitenden Garnfärbeapparat. Der Messestand der Firma befindet sich in Halle 14 (C106).


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