swisscleantech startet Kampagne

Frankenstärke: Jetzt Cleantech als Wettbewerbsvorteil nutzen

 

Der Wirtschaftsverband swisscleantech ist besorgt über das internationale konjunkturelle Umfeld und gleichzeitig stolz auf die vergleichsweise gute wirtschaftliche Lage der Schweiz. Um der resultierenden Frankenstärke – eine langfristige Herausforderung – entgegenzutreten, bietet sich eine Schweizer Positionierung und strategische Differenzierung als Cleantech Vorreiter an. Dies bedingt eine schnelle Umsetzung des Cleantech Masterplans (Bund), sowie die konsequente Fortsetzung der Klimapolitik und Energiewende. swisscleantech schlägt zudem zwei spezifische Massnahmen zur Unterstützung der vom starken Franken am meisten betroffenen Sektoren Export und Tourismus vor.

 

Frankenstärke: Vertrauenszeichen und ernst zu nehmende Herausforderung

 

Der starke Franken ist in erster Linie ein Beweis der Schweizer Stärken und zeigt das Vertrauen ausländischer Investoren in unsere Regierung und Wirtschaft. Gleichzeitig bedroht er jedoch bedeutende Wirtschaftssektoren wie Export- und Tourismus. swisscleantech begrüsst die durch die SNB am vergangenen Mittwoch eingeleiteten Massnahmen. Weitere Schritte, wie die klare Angabe einer tolerierten Maximalaufwertung, können nach Auffassung von swisscleantech mutig angegangen werden. Der Wirtschaftsverband unterstützt auch die Forderung nach klareren Schritten seitens der WEKO in Sachen Importpreise. Da die meisten Indikatoren jedoch auf eine länger anhaltende Frankenstärke deuten, gilt es gemäss swisscleantech Präsident Nick Beglinger „kurzfristig Druck abzubauen, und langfristige Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen“.

 

Wettbewerbsfähigkeit durch Differenzierung

 

Bereits heute zeichnen sich Schweizer Produkte und Dienstleistungen nicht primär durch ihren tiefen Preis, sondern durch hohe Qualität und Innovation aus. Als eine der wettbewerbsstärksten und innovativsten Nationen der Welt gelingt es uns so, auch als Hoch­preisland im internationalen Wettbewerb eine hohe Wertschöpfung zu erkämpfen. Differenzierung ist vor allem für den Produktionsstandort Schweiz zentral. Auch in der aktuellen Währungssituation sind Un­ter­nehmen, die eine effiziente Kostenstruktur sowie ein inno­va­tives, differen­zier­tes Angebot auf­wei­­sen, dem währungsbedingten Preisdruck bedeutend weniger stark ausge­setzt

 

Differenzierung durch Fokus auf Schweizer Stärken – und auf Cleantech Innovation

 

Zum Schutz der am meisten exponierten Betriebe sowie zur Sicherung unserer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit sollte sich die Schweizer Wirtschaft jetzt auf ihre Stärken besinnen und diese rasch und gezielt ausbauen. Genau hier setzt eine umfassende Cleantech Strategie an – wie sie durch den Masterplan Cleantech des Bundes [1] sowie der Cleantech Strategie Schweiz [2] von swisscleantech präsentiert wird. Traditionelle Stärken wie Forschung und Innovation, administrative Effizienz, Erfahrung in Umweltbereichen und das Image als gesundes, sauberes und hoch-qualitatives Land eröffnen dabei grosse Chancen. Cleantech betrifft schnell wachsende neue Märkte wie Energieeffizienz-Technologien, Erneuerbare Energien, Systemlösungen wie nachhaltiges Bauen, Wasser- und Abfallwirtschaft, nachhaltige Mobilität, etc.

 

Von einer Cleantech Vorreiterrolle profitieren Alle

 

‚Cleantech‘ steht für ’nachhaltiges Wirtschaften‘ und bezeichnet keine Industrie und keinen Sektor, sondern ist ein Qualitätsmerkmal, das alle Bereiche der Wirtschaft betrifft. Bei gleichbleibender oder besserer ökonomischer und sozialer Performance zeichnen sich Cleantech Firmen durch eine höhere Ressourceneffizienz und tiefere Emissionen aus. Gelingt es der Schweiz sich als Cleantech Vorreiterland zu positionieren, differenziert dies alle Schweizer Produkte und Dienstleistungen und entgegnet so Margendruck.

 

Rasche Umsetzung des Cleantech Masterplans, der Energiewende und der beschlossenen Klimaziele

 

Gute Basis für die konsequente Umsetzung einer Schweizer Cleantech Strategie bildet der Masterplan Cleantech. Dieser sollte in Anbetracht der Frankenstärke rasch umgesetzt werden. Ein Aufweichen des CO2-Gesetzes oder eine halbherzige Energiewende (wie derzeit von einigen Interessegruppen verlangt) würde die Schweizer Cleantech Differenzierung schwächen und zielt da­her genau in die falsche Richtung. Die Schweizer Wirtschaft würde eine bedeutende Chance verpassen und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Laut swisscleantech Patronatspräsident Bertrand Piccard: „Gefragt ist ein Schritt vorwärts, nicht einer zurück“.

 

Integration einer Cleantech Perspektive in alle kurzfristigen Massnahmen zur Frankenstärke

 

swisscleantech fordert alle Akteure in Wirtschaft, Staat und Wissenschaft auf, Cleantech Kriterien konsequent in ihre Aktivitäten und Massnahmen zur Bewältigung der Frankenstärke und zur langfristigen Differenzierung zu integrieren. Pauschalrezepte (z.B. Steuersenkungen für ganze Sektoren, ‚weniger Abgaben‘, ‚Abbau‘ von Umwelt-Bewilligungsverfahren oder Subventionen mit dem Giesskannenprinzip) sind wenig zweckbringend. Es braucht gezielte Instrumente, die Cleantech-spezifische und marktwirtschaftliche Anreize geben und den Marktzugang für Investitionen des starken Frankens in Cleantech-relevante Werte im Ausland erleichtern.

 

 

Zwei spezifische, kurzfristig umsetzbare Massnahmen

 

Um der Frankenstärke wirtschaftlich entgegenzutreten, schlägt swisscleantech zwei kurzfristige konjunktur-fördernde Massnahmen vor. Diese könnten als Teil des Masterplans Cleantech des Bundes rasch umgesetzt, und über das Sonderbudget, oder auch über eine Graue-Energie Abgabe auf Importen, finanziert werden.

 

1. Swiss Carbon Cleantech Fonds: Die internationale Gemeinschaft hat sich darauf geeinigt, dass sich die Erde global nicht mehr als 2 Grad gegenüber vorindustriellen Werten erwärmen darf, um die gravie­rend­sten Folgen der Klimaerwärmung abzuwenden [3]. Dies bedingt eine Reduktion des Treibhausgas-Aus­stosses bis 2020 um 40% für Industriestaaten wie die Schweiz. Die aktuelle CO2-Gesetzesrevision sieht eine 20% Inland­reduktion sowie die Option auf weitere Massnahmen im Ausland vor. Die Schweiz sollte nun strategisch festlegen, zusätzlich zum bereits gesetzten Inlandziel, weitere 20% CO2 im Ausland durch Projekte mit Schweizer Technologie zu kompensieren – und das 40% Gesamt­ziel breit zu kommunizieren. Dabei können die Synergien zur Exportwirtschaft optimal genutzt werden. Der Technologie Transfer sowie der Aufbau von Spezialwissen wird beschleunigt und der Weg für wei­tere Exporte und Investitionen geebnet. Gleichzeitig kann die Schweiz weitere Länder zum Mitziehen an­spor­nen und in dringend benötigte internationale Abmachungen ein­bin­den. Mit einem Finanzierungsaufwand von jährlich ca. CHF 0.5 Milliarden des Swiss Carbon Cleantech Fonds werden ca. CHF4 Milliarden an Investitionen ausgelöst. Dies kann je nach Ausgestaltung des Fonds bis ca. CHF 2 Milliarden an Schweizer Exportein­nahmen generieren und gleichzeitig neue Märkte eröffnen.

 

2. Cleantech Export & Tourismus Innovations Fonds: Bei vielen Export- und Tourismusbetrieben ist Differen­zierungs­potential in Sachen Cleantech vorhanden, das mit relativ geringem Aufwand umgesetzt wer­den kann. Unterstützungsmassnahmen sollten deshalb darauf ausgerichtet sein, die unter Druck ge­ra­tenen Betriebe aktiv darin zu stärken, Produkte oder Dienstleistungen nach Cleantech Potential zu überprüfen, ihre Belegschaft ent­sprechend zu schulen, sowie Betrieb (oder eine ganze Tourismusregion) auf Energieeffizienz- und Nachhaltigkeits-Potential zu untersuchen. Die resultierenden Analysen sollen einerseits von direktem Umsatz-Nutzen sein, andererseits den teilnehmenden Firmen/Organisationen die nötige Basis liefern, Forschungs- und Kooperationspartnerschaften einzugehen und sich bei Bedarf privatwirtschaftlich zu finanzieren. Ähnlich wie bei den KTI ‚Inno­va­tions-Checks‘, beurteilt ein unabhängiger, staatlich-finanzierter Fonds Firmenanträge für vordefinierte Unterstützungspakete und lässt im Erfolgsfall die Firma gemäss Paket-Budget einen offiziell akkreditierten, privatwirtschaftlichen Berater auswählen. Je nach konjunktureller Entwicklung, könnte der Innovations-Fonds Firmen zusätzlich durch Massnahmen analog der Kurzarbeit unterstützen.

 

Lancierung von ‚Cleantech Inside‘, Schweizer Unternehmen zeigen wie sie jetzt Cleantech anpacken

 

Der Wirtschaftsverband swisscleantech lancierte Anfang Ausgust die ‚Cleantech-Inside‘ Kampagne. Die Webseite ‚www.jetzt-anpacken.ch‚ soll die vielen bereits erreichten Cleantech Erfolge von Schweizer Firmen aufzeigen, zu neuen betrieblichen Cleantech Anstreng­ungen anspornen, sowie weitere Firmen zu Lösungen anregen. Den teilnehmenden Unternehmen wird zusätzlich die Gelegenheit geboten, sich für eine griffige Klimapolitik und eine zukunftsfähige Energiewende einzusetzen.

 

[1] cleantech.admin.ch

[2] www.swisscleantech.ch/css

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